Beratung unter: 030 814 509 27268

Weinherstellung Georgien

24. August 2026 / Georgien Immobilien

Weinherstellung Georgien: Qvevri-Tradition, Rebsorten und moderne Kellertechnik

Die Weinherstellung in Georgien verbindet eine der ältesten archäologisch nachgewiesenen Weintraditionen der Welt mit einer lebendigen Familienkultur, außergewöhnlich vielen einheimischen Rebsorten und moderner Kellertechnik. Ihr bekanntestes Symbol ist der Qvevri: ein großes, eiförmiges Tongefäß, das gewöhnlich in den Boden eingelassen und zur Gärung, Reifung und Lagerung von Wein verwendet wird.

Georgischer Wein ist jedoch nicht mit Qvevri-Wein gleichzusetzen. In Georgien entstehen heute sowohl traditionelle, auf den Beerenschalen vergorene Amber Wines als auch frische Weißweine aus Edelstahltanks, im Holz ausgebaute Rotweine, Roséweine, Schaumweine und natürlich restsüße Spezialitäten aus geschützten Herkunftsgebieten.

Die besondere Stellung Georgiens beruht vor allem auf drei Faktoren: sehr frühen archäologischen Weinspuren aus dem 6. Jahrtausend vor Christus, einer außergewöhnlich großen Zahl autochthoner Rebsorten und einer bis heute praktizierten Qvevri-Kultur. Die traditionelle georgische Qvevri-Weinbereitung wurde 2013 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen.

Weinherstellung in Georgien auf einen Blick

Merkmal Einordnung
Früheste Weinspuren etwa 6000 bis 5800 v. Chr.
Traditionelles Gärgefäß Qvevri, auch Kvevri oder Kwewri
UNESCO-Anerkennung seit 2013
Wichtigste Weinregion Kachetien
Zahl einheimischer Rebsorten mehr als 500, häufig mit über 525 angegeben
Bedeutende weiße Sorten Rkatsiteli, Mtsvane Kakhuri, Kisi, Khikhvi, Chinuri
Bedeutende rote Sorten Saperavi, Tavkveri, Aleksandrouli, Mujuretuli
Offizielle Weinbauzonen zehn
Geschützte Ursprungsbezeichnungen 33, Stand 2026
Weinproduktion 2025 geschätzt rund 2,6 Millionen Hektoliter
Typische Weinstile Weißwein, Amber Wine, Rotwein, Rosé, Schaumwein und natürlich restsüßer Wein

Die Rebsortenvielfalt und die regional unterschiedlichen Herstellungsmethoden machen Georgien trotz seiner vergleichsweise kleinen Landesfläche zu einem der eigenständigsten Weinländer der Welt.

Warum Georgien als Ursprungsland des Weins gilt

Archäologische Nachweise aus dem Neolithikum

In Tongefäßen aus jungsteinzeitlichen Siedlungen im heutigen Georgien wurden chemische Rückstände nachgewiesen, die mit der Verarbeitung und Lagerung von Traubenwein in Verbindung gebracht werden. Die untersuchten Fundstellen werden ungefähr auf 6000 bis 5800 vor Christus datiert.

Diese Funde gehören zu den ältesten bislang wissenschaftlich anerkannten biomolekularen Nachweisen für Traubenwein. Georgien gilt deshalb als eines der frühesten bekannten Zentren der Weinherstellung.

Die archäologischen Ergebnisse belegen allerdings nicht, dass jede heutige Technik seit 8.000 Jahren unverändert angewendet wird. Die häufig verwendete Formulierung von der „8.000-jährigen Weintradition“ beschreibt die außergewöhnliche historische Tiefe der georgischen Weinkultur. Sie bedeutet nicht, dass ein einziges Produktionsverfahren über den gesamten Zeitraum unverändert und lückenlos überliefert wurde.

Weinherstellung Georgien Infografik

Weinherstellung Georgien Infografik

Wein als Bestandteil der georgischen Kultur

Wein ist in Georgien weit mehr als ein landwirtschaftliches Erzeugnis. Er ist eng verbunden mit:

  • Familiengeschichte,
  • Gastfreundschaft,
  • Religion,
  • regionaler Identität,
  • gemeinschaftlicher Arbeit,
  • traditionellen Festen,
  • Speisen und Trinksprüchen.

Viele Familien besitzen einen eigenen Marani, also einen Weinkeller oder einen besonderen Raum zur Weinbereitung und Lagerung.

Die Weinlese wird als Rtveli bezeichnet. Sie wird traditionell gemeinsam mit Familienmitgliedern, Freunden und Nachbarn durchgeführt. Nach der Arbeit folgen häufig ein gemeinsames Essen und eine festliche Tafel.

Eine solche georgische Festtafel heißt Supra. Sie wird von einem Tamada geleitet, der die Reihenfolge und inhaltliche Ausrichtung der Trinksprüche bestimmt.

Die UNESCO-Anerkennung bezieht sich deshalb nicht nur auf das Tongefäß selbst. Geschützt wird das gesamte Wissen rund um Herstellung, Pflege und Nutzung der Qvevris sowie dessen Weitergabe innerhalb von Familien und Gemeinschaften.


Wie wird Wein in Georgien hergestellt?

Die biologischen Grundlagen der Weinherstellung unterscheiden sich nicht grundsätzlich von denen anderer Weinländer. Hefen wandeln den Zucker des Traubenmosts in Alkohol und Kohlendioxid um.

Der spätere Charakter des Weins wird jedoch von zahlreichen Entscheidungen beeinflusst:

  • Rebsorte,
  • Weinbergslage,
  • Lesezeitpunkt,
  • Gesundheitszustand der Trauben,
  • Entrappung,
  • Pressverfahren,
  • Maischekontakt,
  • Gärtemperatur,
  • Hefen,
  • Ausbaugefäß,
  • Sauerstoffkontakt,
  • Reifungsdauer,
  • Filtration und Stabilisierung.

1. Weinbergsarbeit und Reife der Trauben

Hochwertiger Wein entsteht nicht erst im Keller. Seine Grundlage wird im Weinberg gelegt.

Entscheidende Faktoren sind:

  • Rebsorte und Pflanzmaterial,
  • Lage und Höhenlage,
  • Hangneigung und Ausrichtung,
  • Bodenstruktur,
  • Wasserverfügbarkeit,
  • Ertrag pro Rebstock,
  • Sonneneinstrahlung,
  • Belüftung der Rebzeilen,
  • Pflanzengesundheit,
  • Reifegrad bei der Lese.

In heißen und trockenen Teilen Kachetiens können die Trauben hohe Zuckerwerte entwickeln. Gleichzeitig ist eine ausreichende Säure wichtig, damit die Weine nicht schwer, breit oder übermäßig alkoholbetont wirken.

In den feuchteren westgeorgischen Regionen spielen dagegen Pilzdruck, gute Durchlüftung, Laubarbeit und sorgfältige Traubenselektion eine besonders große Rolle.

2. Weinlese und Sortierung

Die georgische Weinlese findet je nach Region, Höhenlage, Rebsorte und gewünschtem Weinstil überwiegend im Spätsommer oder Herbst statt.

Der genaue Zeitpunkt ist entscheidend. Zu früh gelesene Trauben können unreife Aromen und harte Säure ergeben. Zu spät gelesene Trauben können an Frische verlieren, sehr hohe Zuckerwerte entwickeln oder bereits durch Fäulnis geschädigt sein.

Nach der Lese werden beschädigte, unreife oder faule Trauben aussortiert. Qualitätsorientierte Weingüter verarbeiten das Lesegut möglichst schnell, um unerwünschte Oxidation und mikrobielle Fehlentwicklungen zu vermeiden.

3. Entrappen, Quetschen und Pressen

Nach der Sortierung können die Trauben vollständig oder teilweise entrappt werden. Dabei werden die Beeren von den Stielen getrennt.

Anschließend werden die Trauben leicht gequetscht oder gepresst. Welche Bestandteile weiterverarbeitet werden, hängt vom gewünschten Weinstil ab.

Bei traditioneller Qvevri-Weinbereitung können gemeinsam in das Gefäß gelangen:

  • Traubensaft,
  • Fruchtfleisch,
  • Beerenschalen,
  • Kerne,
  • teilweise Stiele.

Die feste Traubenmasse wird im georgischen Zusammenhang häufig als Chacha bezeichnet. Derselbe Begriff wird außerdem für den später aus Traubentrester destillierten georgischen Tresterbrand verwendet.

Moderne Betriebe arbeiten häufig mit:

  • Abbeermaschinen,
  • schonenden Traubenmühlen,
  • pneumatischen Pressen,
  • temperaturkontrollierten Edelstahltanks,
  • Pumpen und Filtern,
  • Laboranalysen.

Auch Mischformen sind verbreitet. Ein Weingut kann die Trauben beispielsweise mit moderner Technik verarbeiten und den Most anschließend im Qvevri vergären.

4. Alkoholische Gärung

Während der alkoholischen Gärung wandeln Hefen den Zucker des Traubenmosts vor allem in Alkohol und Kohlendioxid um.

Georgische Winzer können mit natürlich vorkommenden Hefen oder mit ausgewählten Reinzuchthefen arbeiten.

Die Nutzung eines Qvevri bedeutet daher nicht automatisch, dass ein Wein spontan vergoren wurde. Ebenso wenig schließt ein traditionelles Tongefäß moderne Analytik, Temperaturüberwachung, kontrollierte Kellerhygiene oder eine gezielte Schwefelung aus.

Bei Rotweinen und auf den Schalen vergorenen Weißweinen steigen die festen Traubenbestandteile während der Gärung nach oben. Dort bilden sie einen sogenannten Maischehut.

Dieser muss regelmäßig bewegt oder untergetaucht werden. Dadurch werden:

  • Farbe,
  • Gerbstoffe,
  • Aromastoffe,
  • Struktur und Extrakt

gleichmäßig aus den festen Bestandteilen gelöst.

Gleichzeitig wird verhindert, dass der Maischehut austrocknet oder sich unerwünschte Mikroorganismen entwickeln.

5. Maischestandzeit

Die Dauer des Kontakts zwischen Saft, Schalen, Kernen und gegebenenfalls Stielen beeinflusst:

  • Farbe,
  • Gerbstoffgehalt,
  • Struktur,
  • Aromatik,
  • Mundgefühl,
  • Reifepotenzial.

Bei klassisch ausgebauten Weißweinen werden Schalen und Kerne meistens früh vom Saft getrennt.

Bei georgischen Amber Wines kann der Kontakt dagegen mehrere Wochen oder sogar Monate dauern. Dadurch gelangen deutlich mehr phenolische Stoffe und Gerbstoffe in den Wein.

Bei roten Qvevri-Weinen ist die Maischestandzeit häufig kürzer als bei traditionellen kachetischen Weißweinen. Rote Weine werden vielfach nach ungefähr sieben bis vierzehn Tagen von den festen Bestandteilen getrennt.

Traditionelle kachetische Weißweine können dagegen teilweise bis zum Frühjahr gemeinsam mit Schalen, Kernen und Anteilen der Stiele im Qvevri verbleiben.

6. Biologischer Säureabbau

Nach oder bereits während der alkoholischen Gärung kann der biologische Säureabbau stattfinden.

Dabei wird die stärker und kantiger wirkende Apfelsäure in mildere Milchsäure umgewandelt.

Dieser Vorgang ist bei vielen Rotweinen und kräftigeren Qvevri-Weinen erwünscht. Er kann die Weine weicher, runder und harmonischer wirken lassen.

Bei frischen, säurebetonten Weißweinen kann der Kellermeister den biologischen Säureabbau dagegen begrenzen oder vollständig verhindern, damit die natürliche Frische erhalten bleibt.

7. Reifung und Abstich

Nach der Gärung setzen sich feste Bestandteile im unteren Bereich des Qvevri ab. Dazu gehören:

  • Kerne,
  • Schalenreste,
  • Hefen,
  • Trubstoffe,
  • weitere Sedimente.

Die eiförmige Gefäßform unterstützt die Sedimentation. Sie ersetzt jedoch keine sorgfältige Kellerarbeit und keine regelmäßige Qualitätskontrolle.

Der klare Wein wird anschließend von den Ablagerungen getrennt. Dieser Vorgang wird als Abstich bezeichnet.

Danach kann der Wein:

  • in einem gereinigten Qvevri weiterreifen,
  • in einen Edelstahltank umgefüllt werden,
  • in Holzfässer gelangen,
  • mit anderen Partien verschnitten werden,
  • filtriert werden,
  • unfiltriert abgefüllt werden,
  • weiter stabilisiert werden.

8. Stabilisierung, Qualitätsprüfung und Abfüllung

Vor der Flaschenfüllung prüft ein professioneller Betrieb unter anderem:

  • Alkoholgehalt,
  • Gesamtsäure,
  • flüchtige Säure,
  • Restzucker,
  • Schwefeldioxid,
  • mikrobiologische Stabilität,
  • sensorische Qualität,
  • Klarheit und Farbe.

Je nach Weinkategorie, Herkunftsangabe und Absatzweg können zusätzlich staatliche Zertifizierungen, Laboruntersuchungen und sensorische Prüfungen erforderlich sein.

Für einen stabilen Wein ist entscheidend, dass es nach der Abfüllung nicht zu unerwünschter Nachgärung, Oxidation oder mikrobieller Fehlentwicklung kommt.


Die traditionelle Qvevri-Weinherstellung

Was ist ein Qvevri?

Ein Qvevri ist ein großes, eiförmiges georgisches Tongefäß zur Gärung, Reifung und Lagerung von Wein.

Weitere im Deutschen und internationalen Sprachgebrauch anzutreffende Schreibweisen sind:

  • Kvevri,
  • Kwewri,
  • Quevri.

Qvevris besitzen gewöhnlich keine Henkel. Sie werden vollständig oder nahezu vollständig in den Boden eingelassen.

Das umgebende Erdreich stabilisiert die Gefäßwand und schützt das Gefäß vor kurzfristigen Temperaturschwankungen. Es ersetzt jedoch keine aktive Temperaturregelung wie bei einem modernen Edelstahltank mit Kühlmantel.

Qvevris können sehr unterschiedliche Größen besitzen. Kleine Gefäße fassen nur wenige hundert Liter. Größere Exemplare können mehrere tausend Liter aufnehmen.

Herstellung eines Qvevri

Die Herstellung eines großen Qvevri erfordert spezialisiertes handwerkliches Wissen.

Das Gefäß wird nicht in einem einzigen Arbeitsschritt geformt. Der Töpfer baut es gewöhnlich schichtweise aus Tonringen auf. Jede neue Schicht muss ausreichend trocknen, bevor die nächste aufgesetzt werden kann.

Nach der Formgebung wird das Qvevri getrocknet und gebrannt. Bei großen Gefäßen ist dieser Prozess anspruchsvoll, weil ungleichmäßige Trocknung oder Temperaturverteilung Risse verursachen kann.

Die Innenfläche wird traditionell häufig mit Bienenwachs behandelt. Diese Wachsschicht soll:

  • die Oberfläche glätten,
  • die Porosität reduzieren,
  • die Reinigung erleichtern,
  • unerwünschten Flüssigkeitsaustausch begrenzen.

Das Qvevri bleibt dennoch ein handwerklich gefertigtes Naturprodukt. Materialqualität, Brennverfahren, Wandstärke und Verarbeitung können sich deutlich unterscheiden.

Typischer Ablauf der Qvevri-Methode

Arbeitsschritt Traditionelle Ausführung
Vorbereitung Qvevri gründlich reinigen und auf Risse oder Undichtigkeiten prüfen
Einfüllen Most, Schalen, Kerne und je nach Stil Anteile der Stiele einbringen
Gärung Gefäß zunächst zugänglich lassen und die Maische regelmäßig bewegen
Maischekontakt Dauer an Rebsorte, Region und gewünschten Stil anpassen
Verschließen Nach der Hauptgärung möglichst luftarm verschließen
Reifung Wein mehrere Wochen oder Monate im Qvevri lagern
Abstich Klaren Wein von Hefe und festen Bestandteilen trennen
Weiterer Ausbau im Qvevri, Edelstahltank, Holzfass oder direkt bis zur Abfüllung

In der heutigen Praxis existieren zahlreiche Varianten. Nicht jeder Produzent verwendet ganze Trauben, Stiele oder gleich lange Maischestandzeiten.

Warum wird der Qvevri eingegraben?

Das Eingraben erfüllt mehrere Funktionen.

Stabilität

Ein großes, mit Flüssigkeit gefülltes Tongefäß steht unter erheblichem Druck. Das umgebende Erdreich stützt die Gefäßwand und reduziert die mechanische Belastung.

Temperaturausgleich

Der Boden dämpft kurzfristige Temperaturschwankungen. Dadurch können Gärung und Reifung gleichmäßiger verlaufen.

Die tatsächliche Temperatur hängt jedoch auch ab von:

  • Raumklima,
  • Tiefe des Gefäßes,
  • Bodenbeschaffenheit,
  • Gefäßgröße,
  • Gäraktivität,
  • Jahreszeit.

Sedimentation

Die nach unten zulaufende Form erleichtert das Absetzen von Kernen, Hefe und anderen Feststoffen im unteren Teil des Gefäßes.

Platznutzung

Da sich der größte Teil des Qvevri unter dem Boden befindet, bleibt die Fläche darüber im Marani grundsätzlich begehbar und nutzbar.

Reinigung und Hygiene

Die Reinigung eines Qvevri ist einer der wichtigsten und anspruchsvollsten Arbeitsschritte.

Nach dem Entleeren müssen alle Rückstände entfernt werden. Dabei kommen traditionell Bürsten und Reinigungswerkzeuge aus pflanzlichen Materialien zum Einsatz.

Ein schlecht gereinigtes Qvevri kann unerwünschte Mikroorganismen beherbergen und zu Weinfehlern führen.

Zu kontrollieren sind insbesondere:

  • Rückstände in der unteren Spitze,
  • poröse Innenflächen,
  • Risse,
  • Ablagerungen,
  • Fremdgerüche,
  • Schimmelbildung,
  • mangelnde Entwässerung.

Traditionelle Herstellung und moderne Hygiene sind kein Gegensatz. Hochwertiger Qvevri-Wein setzt besonders sorgfältige Reinigung voraus.

Kachetische und imeretische Qvevri-Methode

Es gibt nicht nur eine einheitliche georgische Qvevri-Technik. Besonders bekannt ist die Unterscheidung zwischen der ostgeorgischen kachetischen und der westgeorgischen imeretischen Tradition.

Merkmal Kachetische Methode Imeretische Methode
Region Ostgeorgien Westgeorgien
Anteil fester Bestandteile traditionell häufig sehr hoch, teilweise vollständig häufig deutlich geringer
Weißwein-Maischekontakt teilweise bis zum Frühjahr gewöhnlich kürzer
Typischer Stil kräftig, strukturiert, tief bernsteinfarben und gerbstoffreich heller, feiner, frischer und weniger tanninbetont
Regionale Gefäßbezeichnung Qvevri häufig Churi

In der kachetischen Tradition können Most, Schalen, Kerne und ein erheblicher Anteil der Stiele gemeinsam vergoren und über einen längeren Zeitraum ausgebaut werden.

In Imeretien gelangt häufig nur ein Teil der festen Traubenbestandteile in das Gefäß. Dadurch entstehen oft feinere und weniger gerbstoffbetonte Weine.

Diese Gegenüberstellung beschreibt traditionelle Grundtendenzen. Moderne Winzer passen den Anteil der Feststoffe und die Dauer des Schalenkontakts an Rebsorte, Jahrgang und gewünschten Stil an.

Wie schmeckt Qvevri-Wein?

Das Geschmacksbild hängt stärker von Rebsorte, Herkunft und Maischekontakt ab als vom Gefäß allein.

Typische Aromen eines weißen oder bernsteinfarbenen Qvevri-Weins können sein:

  • getrocknete Aprikose,
  • Orangenschale,
  • Quitte,
  • reifer Apfel,
  • Kräuter,
  • Tee,
  • Nüsse,
  • Honig,
  • Gewürze,
  • getrocknete Blüten.

Im Mund können Qvevri-Weine deutlich strukturierter und gerbstoffreicher wirken als klassische Weißweine.

Rote Qvevri-Weine können zeigen:

  • dunkle Kirschen,
  • Brombeeren,
  • Pflaumen,
  • Gewürze,
  • Kräuter,
  • erdige Noten,
  • kräftige Säure,
  • ausgeprägte Gerbstoffe.

Ein Qvevri-Wein muss weder oxidiert noch fehlerhaft, trüb oder stark flüchtig sein. Saubere Frucht, kontrollierte Gerbstoffe und stabile Aromatik sind auch bei traditioneller Herstellung wesentliche Qualitätsmerkmale.


Amber Wine, Orange Wine, Qvevri-Wein und Naturwein: die Unterschiede

Die Begriffe werden häufig miteinander vermischt, beschreiben aber unterschiedliche Eigenschaften.

Begriff Bedeutung
Qvevri-Wein Wein, der nach den maßgeblichen Vorgaben im Qvevri vergoren und ausgebaut wurde
Amber Wine Weißwein mit längerem Schalenkontakt und goldener bis bernsteinfarbener Tönung
Orange Wine international verbreitete Bezeichnung für einen auf den Schalen vergorenen Weißwein
Naturwein Produktionsphilosophie mit möglichst wenigen Eingriffen; rechtlich nicht überall einheitlich definiert
Biowein Wein aus zertifiziert ökologischem Weinbau und entsprechender Verarbeitung
Amphorenwein Oberbegriff für Wein aus Tongefäßen unterschiedlicher Herkunft und Bauart

Ist jeder Qvevri-Wein ein Orange Wine?

Nein. Im Qvevri können hergestellt werden:

  • klassische Weißweine,
  • Amber Wines,
  • Roséweine,
  • Rotweine.

Ein roter Saperavi aus dem Qvevri ist kein Orange Wine.

Ist jeder Orange Wine ein Qvevri-Wein?

Nein. Weißwein kann auch in folgenden Gefäßen auf den Schalen vergoren werden:

  • Edelstahltank,
  • Holzfass,
  • Betontank,
  • Betonei,
  • Amphore,
  • andere Tongefäße.

Der Orange-Wine-Stil ist daher nicht auf Georgien und nicht auf Qvevris beschränkt.

Ist Qvevri-Wein automatisch Naturwein?

Nein. Das Qvevri beschreibt zunächst das Gefäß und die Herstellungsmethode.

Der Winzer kann:

  • spontan vergären,
  • Reinzuchthefen einsetzen,
  • Schwefel verwenden,
  • filtrieren,
  • unfiltriert abfüllen,
  • den Wein stabilisieren,
  • auf einzelne Eingriffe verzichten.

Ein Qvevri-Wein kann nach naturweinähnlichen Grundsätzen hergestellt werden, muss es aber nicht.

Ist Qvevri mit Amphore gleichzusetzen?

Nur eingeschränkt.

Historische Amphoren dienten häufig auch dem Transport. Sie besaßen vielfach Henkel und konnten bewegt werden.

Qvevris sind dagegen typischerweise:

  • groß,
  • eiförmig,
  • ohne Tragehenkel,
  • dauerhaft in den Boden eingelassen,
  • vor allem für Gärung und Lagerung bestimmt.

„Amphorenwein“ ist deshalb ein verständlicher Oberbegriff, aber keine präzise Übersetzung des georgischen Qvevri.

Ist Amber Wine oxidiert?

Nicht zwangsläufig.

Die Farbe entsteht vor allem durch den längeren Kontakt des Traubensafts mit Schalen, Kernen und gegebenenfalls Stielen. Dabei werden Farbstoffe und phenolische Verbindungen extrahiert.

Ein kontrollierter Sauerstoffkontakt kann den Stil beeinflussen. Starke Oxidation, fehlende Frische oder braune, flache Aromen sind jedoch keine zwingenden Merkmale eines hochwertigen Amber Wines.


Moderne Weinherstellung in Georgien

Traditionelle Qvevri-Weine sind international besonders sichtbar. Sie bilden jedoch nur einen Teil der georgischen Weinproduktion.

Viele große und kleine Kellereien arbeiten mit moderner europäischer Technik oder verbinden moderne Verfahren mit traditionellen Gefäßen.

Klassische Weißweinbereitung

Bei klassischen georgischen Weißweinen wird der Saft nach dem Pressen weitgehend von Schalen und Kernen getrennt.

Die Gärung erfolgt häufig temperaturkontrolliert im Edelstahltank.

Das Ergebnis sind meist:

  • hellere Farben,
  • deutlichere Fruchtaromen,
  • weniger Gerbstoff,
  • größere Frische,
  • klarere Primäraromatik.

Typische Aromen können sein:

  • Zitrusfrüchte,
  • grüner Apfel,
  • Birne,
  • weißer Pfirsich,
  • Blüten,
  • Kräuter.

Rkatsiteli, Mtsvane Kakhuri, Kisi, Chinuri und Tsolikouri eignen sich sowohl für klassische Weißweine als auch für Qvevri- und Amber-Wine-Stile.

Moderne Rotweinbereitung

Rote Trauben werden gewöhnlich entrappt, gequetscht und gemeinsam mit den Beerenschalen vergoren.

Temperatur und Extraktion werden kontrolliert, damit Farbe und Gerbstoffe nicht zu hart oder bitter ausfallen.

Saperavi kann anschließend ausgebaut werden:

  • im Edelstahltank,
  • im Qvevri,
  • im traditionellen Holzfass,
  • im Barrique,
  • in größeren Holzgebinden,
  • in Kombination mehrerer Gefäße.

Holz kann zusätzliche Aromen erzeugen, beispielsweise:

  • Vanille,
  • Gewürze,
  • Rauch,
  • Toast,
  • Kaffee,
  • Zedernholz.

Qualitativ entscheidend ist, dass das Holz die Frucht, Säure und regionale Eigenart des Weins nicht überdeckt.

Hybride Herstellungsverfahren

Viele hochwertige georgische Weine verbinden traditionelle und moderne Verfahren.

Mögliche Kombinationen sind:

  • Gärung im Qvevri und Reifung im Holzfass,
  • Maischegärung im Qvevri und weiterer Ausbau im Edelstahltank,
  • klassische Gärung und anschließende Reifung im Qvevri,
  • getrennte Vinifikation verschiedener Parzellen,
  • Verschnitt von Qvevri- und Tankpartien,
  • kurze Maischestandzeit statt monatelanger Schalenreifung.

Solche Weine sind nicht weniger authentisch. Sie zeigen, dass die georgische Weinherstellung kein statisches Museumshandwerk ist, sondern eine lebendige und anpassungsfähige Weinkultur.

Natürlich restsüße Weine

Georgien ist auch für natürlich restsüße Weine bekannt.

Bei diesem Stil wird die Gärung beendet oder stabilisiert, bevor die Hefen den gesamten natürlichen Traubenzucker in Alkohol umgewandelt haben.

Zu den bekanntesten Beispielen gehören:

  • Kindzmarauli: überwiegend aus Saperavi aus einer festgelegten Herkunftszone in Kachetien,
  • Khvanchkara: vor allem aus Aleksandrouli und Mujuretuli aus Ratscha,
  • Tvishi: vor allem aus Tsolikouri aus Letschchumi,
  • Akhasheni: natürlich restsüßer Rotwein aus Saperavi.

„Natürlich restsüß“ bedeutet, dass der Restzucker ursprünglich aus den Trauben stammt. Es bedeutet nicht, dass auf moderne Kellertechnik verzichtet wird.

Temperaturkontrolle, Filtration und mikrobiologische Stabilisierung sind bei restsüßen Weinen besonders wichtig, damit die Gärung nicht unbeabsichtigt in der Flasche erneut beginnt.

Schaumwein

Vor allem Kartli besitzt eine bedeutende Schaumweintradition.

Rebsorten wie Chinuri und Goruli Mtsvane können aufgrund ihrer natürlichen Säure gute Voraussetzungen für Schaumweingrundweine bieten.

Schaumwein kann erzeugt werden durch:

  • zweite Gärung in der Flasche,
  • zweite Gärung im Drucktank,
  • andere kontrollierte Verfahren.

Je nach Methode unterscheiden sich:

  • Perlage,
  • Hefearomatik,
  • Reifedauer,
  • Aufwand,
  • Preis,
  • Lagerfähigkeit.

Das geschützte Herkunftsgebiet Ateni ist eng mit der regionalen Still- und Schaumweintradition verbunden.


Die wichtigsten georgischen Rebsorten

Georgien verfügt über mehr als 500 einheimische Rebsorten. Häufig wird eine Zahl von mehr als 525 autochthonen Sorten genannt.

Nur ein Teil davon wird in größerem wirtschaftlichem Umfang angebaut. Viele seltene Sorten werden heute in Versuchsanlagen, Rebsortensammlungen, Familienweingütern und spezialisierten Betrieben erhalten oder wieder neu ausgepflanzt.

Weiße Rebsorten

Rebsorte Schwerpunkt Typische Eigenschaften
Rkatsiteli Kachetien hohe Säure trotz guter Zuckerreife; Apfel, Quitte und Zitrus; im Qvevri zusätzlich Aprikose, Tee und Gewürze
Mtsvane Kakhuri Kachetien aromatisch, floral, weißer Pfirsich, Zitrus und Steinfrucht
Kisi Kachetien Birne und Zitrus im klassischen Ausbau; Aprikose, Mango, Orangenschale und Walnuss bei Maischegärung
Khikhvi Kachetien Blüten, Aprikose und reife gelbe Früchte; geeignet für trockene und süßere Stile
Chinuri Kartli lebendige Säure, grüne Früchte und Kräuter; geeignet für Still- und Schaumwein
Goruli Mtsvane Kartli frisch, floral, Zitrus und Kernobst
Tsitska Imeretien feine Säure, Zitrus und grüne Früchte; auch für Schaumwein geeignet
Tsolikouri Westgeorgien ausgewogene Säure, gelbe Früchte und florale Noten; Grundlage von Tvishi
Krakhuna Imeretien körperreich, reife gelbe Früchte, gute Struktur und Reifepotenzial

Rkatsiteli

Rkatsiteli ist die international bekannteste weiße Rebsorte Georgiens.

Sie kann trotz hoher Zuckerreife eine bemerkenswerte Säure bewahren. Dadurch eignet sie sich sowohl für:

  • frische klassische Weißweine,
  • länger gereifte Weißweine,
  • Qvevri-Weine,
  • Amber Wines,
  • Verschnitte mit aromatischeren Sorten.

Klassisch ausgebaut kann Rkatsiteli Aromen von Apfel, Zitrus, Birne und Quitte zeigen.

Bei längerer Maischegärung treten häufig hinzu:

  • getrocknete Aprikose,
  • Orangenschale,
  • Tee,
  • Kräuter,
  • Nüsse,
  • Gewürze.

Mtsvane Kakhuri

Mtsvane Kakhuri stammt vor allem aus Kachetien.

Die Sorte wird häufig gemeinsam mit Rkatsiteli verarbeitet. Sie kann einer Cuvée zusätzliche Aromatik, Frische und florale Noten verleihen.

Typische Eindrücke sind:

  • weißer Pfirsich,
  • Zitrus,
  • Blüten,
  • Kräuter,
  • tropische Anklänge.

Kisi

Kisi galt zeitweise als stark gefährdet und erlebt heute eine deutliche Wiederentdeckung.

Die Sorte eignet sich sowohl für klassische Weißweine als auch für kräftige Amber Wines.

Mögliche Aromen sind:

  • Birne,
  • Aprikose,
  • Pfirsich,
  • Zitrus,
  • Honig,
  • Orangenschale,
  • Walnuss.

Khikhvi

Khikhvi ist eine traditionsreiche kachetische Rebsorte.

Sie kann trockene, bernsteinfarbene und süßere Weinstile hervorbringen.

Typische Aromen sind:

  • Aprikose,
  • gelbe Früchte,
  • Blüten,
  • Kräuter,
  • Honig.

Chinuri

Chinuri gehört zu den wichtigsten weißen Rebsorten Kartlis.

Sie besitzt häufig eine lebendige Säure und eignet sich für:

  • trockene Weißweine,
  • Qvevri-Weine,
  • Schaumweine,
  • Verschnitte.

Der Name wird häufig mit der grünlich-gelben Farbe reifer Beeren in Verbindung gebracht.

Rote Rebsorten

Rebsorte Schwerpunkt Typische Eigenschaften
Saperavi Kachetien tiefdunkle Farbe, ausgeprägte Säure und Gerbstoffe, dunkle Beeren, Pflaume und Gewürze
Tavkveri Kartli Kirsche, rote Früchte und Kräuter; geeignet für Rotwein, Rosé und Schaumwein
Shavkapito Kartli rote und dunkle Früchte, Gewürze, mittlere bis kräftige Struktur
Aleksandrouli Ratscha rote Beeren, Gewürze und feine Struktur; Bestandteil von Khvanchkara
Mujuretuli Ratscha dunklere Frucht und Würze; traditioneller Partner von Aleksandrouli
Otskhanuri Sapere Imeretien kräftige Farbe, hohe Säure, markanter Gerbstoff und gutes Reifepotenzial
Ojaleshi Samegrelo rote bis dunkle Früchte, Würze und lebendige Säure
Chkhaveri Gurien und Adscharien helle Rot-, Rosé- und Schaumweine, rote Beeren und florale Noten
Usakhelouri Letschchumi selten, aromatisch und fein; für hochwertige trockene und restsüße Weine

Saperavi

Saperavi ist die wichtigste und international bekannteste rote Rebsorte Georgiens.

Sie gehört zu den sogenannten Färbertrauben. Nicht nur die Schale, sondern auch das Fruchtfleisch weist eine deutliche Färbung auf.

Der Name wird sinngemäß mit „färben“ oder „Farbe geben“ verbunden.

Saperavi kann Weine hervorbringen mit:

  • tiefdunkler Farbe,
  • hoher Säure,
  • ausgeprägten Gerbstoffen,
  • dunkler Beerenfrucht,
  • Pflaume,
  • Schwarzkirsche,
  • Gewürzen,
  • Kräutern.

Die Sorte eignet sich für:

  • trockene Rotweine,
  • natürlich restsüße Rotweine,
  • Qvevri-Ausbau,
  • Tankausbau,
  • Fassreifung,
  • lang lagerfähige Spitzenweine.

Tavkveri

Tavkveri ist besonders mit Kartli verbunden.

Die Sorte kann zu Rotwein, Rosé und Schaumwein verarbeitet werden. Typisch sind rote Früchte, Kirsche, Kräuter und eine lebendige Säure.

Aleksandrouli und Mujuretuli

Aleksandrouli und Mujuretuli sind eng mit Ratscha und der geschützten Herkunft Khvanchkara verbunden.

Aleksandrouli bringt häufig feinere rote Frucht und Würze ein. Mujuretuli kann dunklere Frucht, Struktur und zusätzliche Würze beitragen.

Otskhanuri Sapere

Otskhanuri Sapere stammt vor allem aus Imeretien.

Die Sorte kann sehr farbintensive, säurebetonte und gerbstoffreiche Rotweine hervorbringen. Gut erzeugte Weine besitzen ein beachtliches Reifepotenzial.


Die Weinregionen Georgiens

Das georgische Weinrecht unterscheidet zehn Weinbauzonen:

  1. Kachetien
  2. Kartli
  3. Meskheti
  4. Imeretien
  5. Ratscha
  6. Letschchumi
  7. Gurien
  8. Samegrelo
  9. Abchasien
  10. Adscharien

In touristischen und wirtschaftlichen Darstellungen werden Ratscha und Letschchumi häufig gemeinsam behandelt.

Kachetien

Kachetien ist das wichtigste und mengenmäßig dominierende Weinbaugebiet Georgiens.

Die zentralen Anbauflächen liegen unter anderem in den Becken der Flüsse Alazani und Iori. Viele Weinberge befinden sich in Höhenlagen von ungefähr 400 bis 700 Metern.

Kachetien ist das Zentrum der klassischen kachetischen Qvevri-Methode.

Bedeutende Rebsorten sind:

  • Rkatsiteli,
  • Saperavi,
  • Mtsvane Kakhuri,
  • Kisi,
  • Khikhvi.

Zu den bekannten geschützten Herkünften gehören:

  • Tsinandali,
  • Mukuzani,
  • Kindzmarauli,
  • Akhasheni,
  • Gurjaani,
  • Napareuli,
  • Kvareli,
  • Vazisubani,
  • Kardenakhi,
  • Manavi.

Das Klima ist überwiegend kontinental geprägt. Heiße Sommer, vergleichsweise geringe Niederschläge und deutliche Temperaturunterschiede können kräftige, reife Weine ermöglichen.

Kartli

Kartli umgibt die Hauptstadt Tiflis und erstreckt sich über zentrale Teile Ostgeorgiens.

Viele Weinberge befinden sich ungefähr zwischen 450 und 700 Metern Höhe.

Die Region ist besonders bekannt für:

  • frische Weißweine,
  • Schaumweine,
  • Roséweine,
  • zunehmend charaktervolle Rotweine.

Wichtige Rebsorten sind:

  • Chinuri,
  • Goruli Mtsvane,
  • Tavkveri,
  • Shavkapito.

Zu den geschützten Herkunftsbezeichnungen gehören unter anderem:

  • Ateni,
  • Bolnisi,
  • Asuretuli Shala,
  • Okami.

Die Nähe zu Tiflis macht Kartli auch für Weintourismus, Direktvertrieb und gastronomische Konzepte interessant.

Imeretien

Imeretien liegt in Westgeorgien und besitzt ein feuchteres Klima als Kachetien.

Die Region verfügt über unterschiedliche Böden, Höhenlagen und Kleinklimate.

Das Qvevri wird regional häufig Churi genannt. Traditionell gelangt weniger Trester in das Gefäß als bei der kachetischen Methode.

Dadurch wirken viele imeretische Weine:

  • heller,
  • frischer,
  • feiner,
  • weniger gerbstoffbetont.

Wichtige Rebsorten sind:

  • Tsitska,
  • Tsolikouri,
  • Krakhuna,
  • Otskhanuri Sapere.

Zu den geschützten Herkünften gehören:

  • Sviri,
  • Obcha,
  • Sazanos Otskhanuri.

Ratscha

Ratscha ist eine kleine, gebirgige Weinregion mit steilen Lagen entlang des oberen Rioni-Tals.

International bekannt ist vor allem Khvanchkara, ein natürlich restsüßer Rotwein aus Aleksandrouli und Mujuretuli.

Die begrenzten Anbauflächen, schwierige Bewirtschaftung und kleinteilige Struktur tragen dazu bei, dass hochwertige Weine aus Ratscha häufig teurer sind als georgische Massenweine.

Ratscha ist zugleich eine eigenständige geschützte Ursprungsbezeichnung.

Letschchumi

Letschchumi grenzt an Ratscha und verfügt über steile, kleinteilige Weinberge und ausgeprägte Mikroklimata.

Bekannt sind:

  • Tvishi aus Tsolikouri,
  • Weine aus der seltenen roten Rebsorte Usakhelouri,
  • trockene und restsüße Spezialitäten.

Geschützte Bezeichnungen sind unter anderem:

  • Tvishi,
  • Okureshi Usakhelouri,
  • Lechkhumi.

Gurien

Gurien besitzt ein feuchtes, teilweise subtropisch geprägtes Klima.

Die historische Leitrebsorte ist Chkhaveri. Sie kann zu Rosé, Rotwein und Schaumwein verarbeitet werden.

Die hohen Niederschläge verlangen:

  • gute Belüftung der Weinberge,
  • sorgfältige Laubarbeit,
  • konsequentes Krankheitsmanagement,
  • genaue Auswahl des Lesezeitpunkts.

Samegrelo

Samegrelo liegt im Westen Georgiens und ist traditionell mit der roten Rebsorte Ojaleshi verbunden.

Zu den geschützten Ursprungsbezeichnungen gehört Salkhino Ojaleshi.

Das warme und feuchte Klima ermöglicht eine lange Vegetationsperiode. Gleichzeitig stellt es hohe Anforderungen an Pflanzenschutz, Belüftung und Traubenselektion.

Adscharien

Adscharien liegt am Schwarzen Meer und ist durch hohe Niederschläge sowie große Höhenunterschiede geprägt.

Der moderne Qualitätsweinbau befindet sich dort in einer Phase der Wiederbelebung.

Eine besondere Rolle spielen:

  • Chkhaveri,
  • seltene regionale Rebsorten,
  • kleine Familienbetriebe,
  • Weintourismus,
  • die Verbindung von Wein, Berglandschaft und regionaler Küche.

Meskheti

Meskheti liegt im Süden Georgiens und besitzt einige der höchstgelegenen historischen Weinberge des Landes.

Terrassierte Flächen befinden sich teilweise in Höhenlagen zwischen ungefähr 900 und 1.700 Metern.

Die Region steht für:

  • Wiederentdeckung historischer Weinberge,
  • alte Terrassenanlagen,
  • seltene Rebsorten,
  • kühlere Höhenlagen,
  • langsame Traubenreife,
  • gute Säureerhaltung.

Meskheti besitzt großes Potenzial für eigenständige Hochlagenweine, erfordert jedoch erhebliche Investitionen in Wiederbepflanzung, Infrastruktur und Vermarktung.

Abchasien

Abchasien wird im georgischen Weingesetz als eigene Weinbauzone geführt.

Historisch ist die Region mit einem feuchten Schwarzmeerklima und lokalen Rebsorten verbunden.

Aufgrund der politischen und rechtlichen Situation bestehen besondere Anforderungen an Herkunftsangaben, Eigentumsfragen, wirtschaftliche Nutzung und internationale Vermarktung.


Geschützte Herkunftsbezeichnungen für georgischen Wein

Was bedeutet PDO?

PDO steht für Protected Designation of Origin, auf Deutsch geschützte Ursprungsbezeichnung.

Eine PDO verbindet einen Wein mit einem klar abgegrenzten geografischen Gebiet und verbindlichen Produktionsregeln.

Je nach Herkunft können geregelt sein:

  • zugelassene Rebsorten,
  • genaue Grenzen des Anbaugebiets,
  • maximaler Ertrag,
  • Mindestmostgewicht,
  • Weinfarbe,
  • Weinstil,
  • Alkoholgehalt,
  • Restzucker,
  • Säurewerte,
  • Herstellungsverfahren,
  • sensorische Eigenschaften.

Eine bekannte Gebietsbezeichnung ist deshalb nicht lediglich ein Markenname.

Kindzmarauli, Mukuzani, Tsinandali oder Khvanchkara dürfen nur verwendet werden, wenn der Wein die jeweils geltenden Herkunfts- und Produktionsanforderungen erfüllt.

Wie viele geschützte Weinherkünfte hat Georgien?

Stand August 2026 verfügt Georgien über 33 geschützte Ursprungsbezeichnungen für Wein.

Die vollständige Liste lautet:

  • Akhasheni
  • Akhmeta
  • Akhoebi
  • Asuretuli Shala
  • Ateni
  • Bolnisi
  • Gurjaani
  • Kakheti
  • Kardenakhi
  • Khashmi Saperavi
  • Khvanchkara
  • Kindzmarauli
  • Kotekhi
  • Kvareli
  • Lechkhumi
  • Maghraani Kisi
  • Manavi
  • Mukuzani
  • Napareuli
  • Obcha
  • Okami
  • Okureshi Usakhelouri
  • Racha
  • Salkhino Ojaleshi
  • Sazanos Otskhanuri
  • Sviri
  • Teliani
  • Tibaani
  • Tsarafi
  • Tsinandali
  • Tvishi
  • Vazisubani
  • Zegaani

Bedeutende PDO-Weine im Überblick

Herkunft Region Typischer Wein
Tsinandali Kachetien trockener Weißwein, traditionell aus Rkatsiteli und Mtsvane
Mukuzani Kachetien trockener Saperavi-Rotwein
Kindzmarauli Kachetien natürlich restsüßer Saperavi
Akhasheni Kachetien natürlich restsüßer Saperavi
Napareuli Kachetien trockene Weiß- oder Rotweine je nach Spezifikation
Kvareli Kachetien trockener Saperavi
Khvanchkara Ratscha natürlich restsüß aus Aleksandrouli und Mujuretuli
Tvishi Letschchumi natürlich restsüßer Weißwein aus Tsolikouri
Ateni Kartli Still- und Schaumweintradition
Sviri Imeretien westgeorgischer Weißwein
Salkhino Ojaleshi Samegrelo Wein aus Ojaleshi
Sazanos Otskhanuri Imeretien Rotwein aus Otskhanuri Sapere

PDO ist kein automatisches Qualitätssiegel

Eine geschützte Herkunft bestätigt, dass bestimmte geografische und produktionstechnische Vorgaben eingehalten wurden.

Sie garantiert jedoch nicht automatisch, dass jeder Wein aus dieser Herkunft geschmacklich hervorragend ist.

Qualität hängt zusätzlich ab von:

  • Zustand der Trauben,
  • Ertrag,
  • Kellerhygiene,
  • Gärführung,
  • Ausbau,
  • Lagerung,
  • Abfüllung,
  • Erfahrung des Produzenten.
Weinherstellung Georgien

Weinherstellung Georgien

Weinrecht und Qualitätskontrolle in Georgien

Die rechtliche Grundlage bildet das georgische Gesetz über Rebe und Wein.

Es definiert unter anderem:

  • Wein,
  • Qvevri-Wein,
  • geschützte Ursprungsbezeichnungen,
  • geografische Angaben,
  • Rebsorten,
  • Weinbauzonen,
  • Weinbaukataster,
  • staatliche Kontrollaufgaben,
  • Zertifizierung und Kennzeichnung.

Gesetzliche Definition von Qvevri-Wein

Qvevri-Wein ist im georgischen Recht nicht nur eine werbliche Bezeichnung.

Die maßgebliche Definition verlangt eine Gärung und Reifung im Qvevri auf vollständiger oder teilweiser Maische mindestens bis zu dem gesetzlich bestimmten Zeitpunkt des Erntejahres.

Dadurch soll verhindert werden, dass ein Wein bereits wegen eines sehr kurzen Kontakts mit einem Qvevri als traditioneller Qvevri-Wein vermarktet wird.

Aufgaben der National Wine Agency

Die georgische National Wine Agency übernimmt insbesondere Aufgaben in den Bereichen:

  • Qualitätskontrolle,
  • Zertifizierung,
  • Exportdokumentation,
  • Weinbaukataster,
  • Kontrolle von Herkunftsangaben,
  • Förderung georgischen Weins,
  • Forschung,
  • Erhaltung einheimischer Rebsorten,
  • Überwachung gesetzlicher Anforderungen.

Das georgische Weinrecht betrachtet die einheimischen genetischen Ressourcen der Weinrebe als nationales Gut von besonderer Bedeutung.

Weinbaukataster

Ein funktionierendes Weinbaukataster ist wichtig, um nachvollziehen zu können:

  • wo ein Weinberg liegt,
  • wie groß die Fläche ist,
  • welche Rebsorten angepflanzt sind,
  • wem die Fläche zugeordnet ist,
  • wie hoch die mögliche Erntemenge ist,
  • ob eine Fläche innerhalb einer geschützten Herkunftszone liegt.

Für hochwertige Herkunftsweine und Exportmärkte ist diese Rückverfolgbarkeit besonders wichtig.

Neue Regeln für gewerblichen Weinbau seit 2026

Seit dem 1. Mai 2026 ist für die gewerbliche oder industrielle Neuanlage von Weinbergen grundsätzlich die aktuelle Zustimmungslage bei der National Wine Agency zu prüfen.

Bestehende Weinberge und der Anbau für den persönlichen Gebrauch werden nicht in gleicher Weise erfasst.

Ziel der neuen Regeln ist eine bessere Abstimmung von:

  • Rebsorten,
  • Produktionsmengen,
  • Weinbaukataster,
  • Marktbedarf,
  • Herkunftsschutz,
  • Absatzmöglichkeiten.

Im Juni 2026 wurden weitere Änderungen beschlossen. Dazu gehören neue oder erweiterte Regelungen für:

  • Naturwein,
  • sensorische Prüfungen,
  • Kennzeichnung zertifizierter alkoholischer Getränke,
  • Definition kleiner Weingüter,
  • Qualitätskontrolle.

Ein Teil der Umsetzung erfolgt stufenweise über ergänzende Vorschriften.

Die gesetzliche Schwelle für die Kategorie „kleines Weingut“ wurde dabei auf eine maximale Produktions- oder Betriebskapazität von 25.000 Litern angepasst.


Woran erkennt man hochwertigen georgischen Wein?

Ein traditionelles Gefäß, eine seltene Rebsorte oder ein handgezeichnetes Etikett sind noch kein Qualitätsbeweis.

Entscheidend ist das Zusammenspiel aus:

  • gesundem Lesegut,
  • sauberer Verarbeitung,
  • kontrollierter Gärung,
  • sorgfältigem Ausbau,
  • ausgewogenem Geschmack,
  • stabiler Abfüllung.

Herkunft und Rebsorte

Das Etikett sollte erkennen lassen, ob es sich handelt um:

  • einen Wein mit geschützter Herkunft,
  • einen regionalen Wein,
  • einen Rebsortenwein,
  • eine Cuvée,
  • einen Qvevri-Wein,
  • einen Tankwein,
  • einen fassgereiften Wein.

Bei bekannten PDO-Bezeichnungen sollte die Herkunft über die staatliche Zertifizierung nachvollziehbar sein.

Gleichgewicht von Säure, Alkohol und Gerbstoff

Gute Amber Wines dürfen deutlich mehr Gerbstoff besitzen als klassische Weißweine.

Der Gerbstoff sollte den Wein strukturieren und für Länge sorgen. Er sollte jedoch nicht dauerhaft austrocknend, grün oder unangenehm bitter wirken.

Bei Saperavi ist eine kräftige Säure normal und für die Lagerfähigkeit wichtig.

Hoher Alkohol ohne ausreichende Säure und Frische kann einen Wein dagegen schwer und unausgewogen erscheinen lassen.

Sauberkeit der Aromen

Eine erdige, kräuterige, nussige oder leicht oxidative Aromatik kann zum Stil gehören.

Kritisch sind dagegen:

  • stechende flüchtige Säure,
  • deutlicher Nagellackton,
  • anhaltender Mäuselton,
  • dumpfe Schimmelnoten,
  • faulige Gerüche,
  • stark schweflige Gerüche,
  • fortgeschrittene Oxidation ohne Frische,
  • unkontrollierte Nachgärung in der Flasche.

Naturbelassene oder unfiltrierte Herstellung entschuldigt keine vermeidbaren Weinfehler.

Farbe richtig beurteilen

Die bernsteinfarbene Tönung eines auf den Schalen vergorenen Weißweins ist kein Zeichen dafür, dass der Wein verdorben ist.

Die Farbe entsteht durch die Extraktion und Oxidation phenolischer Verbindungen während der Maischegärung und Reifung.

Ein zunehmend brauner Farbton in Verbindung mit flacher Aromatik und fehlender Frische kann dagegen auf Überoxidation oder fortgeschrittene Alterung hinweisen.

Trübung und Depot

Unfiltrierte Weine können leicht trüb sein oder ein Depot bilden. Das ist nicht automatisch ein Qualitätsmangel.

Problematisch wird es, wenn gleichzeitig auftreten:

  • unangenehme Gerüche,
  • starke Kohlensäure bei einem stillen Wein,
  • unerwartete Süße,
  • mikrobiologische Fehltöne,
  • deutliche Instabilität.

Produzent und Jahrgang

Kleine Familienbetriebe können hervorragende Weine erzeugen.

Wichtig sind dennoch nachvollziehbare Angaben zu:

  • Produzent,
  • Herkunft,
  • Jahrgang,
  • Rebsorte,
  • Abfüllung,
  • Alkoholgehalt,
  • Importeur,
  • Losnummer.

Bei nicht zertifizierten Hausweinen oder sehr kleinen Produktionen ist eine Verkostung besonders wichtig, da Stil und Stabilität stärker schwanken können.


Georgischen Wein richtig lagern und servieren

Lagertemperatur

Wein sollte möglichst kühl, dunkel und bei gleichmäßiger Temperatur gelagert werden.

Ideal sind häufig ungefähr 10 bis 15 Grad Celsius. Wichtiger als ein einzelner exakter Wert ist eine möglichst geringe Temperaturschwankung.

Zu vermeiden sind:

  • direkte Sonne,
  • Heizungsnähe,
  • hohe Sommertemperaturen,
  • Frost,
  • starke Vibrationen,
  • ständig wechselnde Temperaturen.

Flaschenlage

Flaschen mit Naturkorken werden üblicherweise liegend gelagert, damit der Korken nicht austrocknet.

Flaschen mit Schraubverschluss, Glasverschluss oder bestimmten technischen Verschlüssen können auch stehend gelagert werden.

Serviertemperaturen

Weinstil Empfohlene Serviertemperatur
Leichter klassischer Weißwein etwa 8 bis 10 °C
Kräftiger Weißwein etwa 10 bis 12 °C
Amber Wine etwa 11 bis 14 °C
Roséwein etwa 8 bis 11 °C
Leichter Rotwein etwa 13 bis 15 °C
Kräftiger Saperavi etwa 15 bis 18 °C
Schaumwein etwa 6 bis 9 °C
Natürlich restsüßer Wein etwa 8 bis 12 °C

Sehr kalte Serviertemperaturen können die Aromen kräftiger Qvevri- und Amber-Weine unterdrücken.

Dekantieren

Kräftige junge Saperavi-Weine und strukturierte Amber Wines können von Luftkontakt profitieren.

Eine Karaffe kann helfen, wenn der Wein:

  • sehr verschlossen wirkt,
  • stark reduktive Aromen zeigt,
  • viel Gerbstoff besitzt,
  • ein Depot enthält.

Sehr alte oder empfindliche Weine sollten dagegen vorsichtig behandelt werden, weil zu viel Sauerstoff ihre Aromen schnell abbauen kann.


Welche Speisen passen zu georgischem Wein?

Georgische Weine lassen sich nicht nur mit georgischer Küche kombinieren.

Rkatsiteli und klassische Weißweine

Passend zu:

  • Fisch,
  • Geflügel,
  • Salaten,
  • mildem Käse,
  • Gemüsegerichten,
  • Kräutersaucen.

Amber Wine

Passend zu:

  • gebratenem Geflügel,
  • Kalbfleisch,
  • Pilzgerichten,
  • kräftigem Käse,
  • orientalischen Gewürzen,
  • fermentiertem Gemüse,
  • Walnussgerichten.

Durch ihre Gerbstoffstruktur können Amber Wines Speisen begleiten, für die klassische Weißweine häufig zu leicht sind.

Saperavi

Passend zu:

  • Rindfleisch,
  • Lamm,
  • Wild,
  • gegrilltem Fleisch,
  • Schmorgerichten,
  • Auberginen,
  • kräftigem Hartkäse.

Natürlich restsüße Rotweine

Passend zu:

  • Fruchtdesserts,
  • Schokoladendesserts,
  • Blauschimmelkäse,
  • würzigen Speisen,
  • gerösteten Nüssen.

Georgische Klassiker

Besonders typische Kombinationen sind:

  • Khachapuri mit Weißwein oder Amber Wine,
  • Khinkali mit kräftigem Weißwein oder leichterem Rotwein,
  • Mtsvadi mit Saperavi,
  • Lobio mit Amber Wine oder Tavkveri,
  • Satsivi mit strukturiertem Weißwein,
  • Badrijani mit Walnussfüllung und Amber Wine.

Aktuelle Bedeutung der georgischen Weinwirtschaft

Für 2025 wurde Georgiens Weinproduktion auf rund 2,6 Millionen Hektoliter geschätzt.

Damit erreichte das Land einen im langfristigen Vergleich hohen Produktionswert. Gegenüber dem Vorjahr wurde ein moderater Anstieg ausgewiesen.

Nach Angaben georgischer Behörden wurden 2025 etwa 89,7 Millionen Liter Wein in 71 Länder exportiert. Der Exportwert lag bei rund 267,9 Millionen US-Dollar.

Produktions- und Exportmengen dürfen nicht unmittelbar gleichgesetzt werden.

Ein Teil des erzeugten Weins wird:

  • im Inland verkauft,
  • gelagert,
  • erst in späteren Jahren exportiert,
  • verschnitten,
  • zu Spirituosen weiterverarbeitet,
  • für private oder touristische Zwecke genutzt.

Internationale Positionierung

Die internationale Nachfrage konzentriert sich zunehmend auf Produkte mit klarer Unterscheidbarkeit:

  • autochthone Rebsorten,
  • hochwertige Qvevri-Weine,
  • kontrollierte Herkunft,
  • kleine Produktionsmengen,
  • gastronomisch einsetzbare Amber Wines,
  • trockene Saperavi-Weine,
  • authentische Weinreisen,
  • transparente Produzentenprofile.

Für die langfristige Positionierung ist entscheidend, dass Georgien nicht nur über die Erzählung vom ältesten Weinland vermarktet wird.

Ebenso wichtig sind:

  • wiederholbare Qualität,
  • nachvollziehbare Herkunft,
  • stabile Lieferfähigkeit,
  • professionelle Etikettierung,
  • verlässlicher Vertrieb,
  • zielgruppengerechte Kommunikation.

Exportmärkte und Abhängigkeiten

Ein wesentliches wirtschaftliches Thema ist die Verteilung der Weinexporte auf unterschiedliche Absatzmärkte.

Eine starke Abhängigkeit von wenigen Ländern kann Risiken erzeugen, etwa durch:

  • politische Veränderungen,
  • Einfuhrbeschränkungen,
  • Währungsschwankungen,
  • veränderte Verbrauchernachfrage,
  • Handelskonflikte.

Für georgische Produzenten gewinnt deshalb die Diversifizierung in europäische, nordamerikanische und asiatische Märkte an Bedeutung.


Weintourismus in Georgien

Weintourismus verbindet Weinproduktion mit:

  • Übernachtung,
  • Gastronomie,
  • Führungen,
  • Verkostungen,
  • Kochkursen,
  • kulturellen Veranstaltungen,
  • Direktverkauf.

Kachetien als wichtigste Weinreiseregion

Kachetien besitzt die höchste Konzentration bekannter Weingüter und Weinorte.

Beliebte Ziele sind unter anderem:

  • Telavi,
  • Tsinandali,
  • Kvareli,
  • Sighnaghi,
  • Gurjaani,
  • Mukuzani,
  • Napareuli.

Die Region eignet sich sowohl für Tagesausflüge von Tiflis als auch für mehrtägige Weinreisen.

Kleine Familienweingüter

Kleine Maranis bieten häufig ein besonders persönliches Erlebnis.

Besucher können dort teilweise:

  • Qvevris besichtigen,
  • verschiedene Jahrgänge verkosten,
  • an einer Supra teilnehmen,
  • lokale Speisen probieren,
  • die Weinlese erleben,
  • direkt Wein kaufen.

Die Qualität der touristischen Angebote kann jedoch stark variieren. Professionelle Hygiene, verständliche Informationen, transparente Preise und sichere Gästebereiche sind wichtige Qualitätsmerkmale.

Potenzial außerhalb Kachetiens

Auch andere Regionen gewinnen touristisch an Bedeutung:

  • Imeretien für feinere westgeorgische Weine,
  • Ratscha und Letschchumi für seltene Rebsorten und Gebirgslandschaften,
  • Kartli für die Nähe zu Tiflis,
  • Adscharien für die Verbindung von Meer, Bergen und Wein,
  • Meskheti für historische Terrassen und Hochlagenweinbau.

Weingüter und Weinimmobilien in Georgien: Was Käufer prüfen sollten

Ein Weinberg, ein Haus mit Qvevris oder eine touristisch attraktive Lage ist nicht automatisch ein wirtschaftlich tragfähiges Weingut.

Vor dem Kauf einer Weinimmobilie sollten Grundstück, Rebanlagen, Produktion und Vermarktung getrennt geprüft werden.

Grundstück und Eigentum

Zu kontrollieren sind insbesondere:

  • Eintragung im öffentlichen Register,
  • Katastercode,
  • tatsächliche Grundstücksgrenzen,
  • Grundstücksart,
  • zulässige Nutzung,
  • Belastungen,
  • Pfandrechte,
  • Dienstbarkeiten,
  • gesicherte Zufahrt,
  • Stromanschluss,
  • Wasserversorgung,
  • Abwasserentsorgung,
  • Übereinstimmung von Gebäuden und Genehmigungen.

Eine Besichtigung vor Ort ersetzt nicht die rechtliche Prüfung des Registers und der Katasterunterlagen.

Zustand des Weinbergs

Bei bestehenden Rebanlagen sind zu prüfen:

  • Rebsorte,
  • Alter der Reben,
  • Pflanzdichte,
  • Unterlage,
  • Ertrag,
  • Fehlstellen,
  • Gesundheitszustand,
  • Bewässerung,
  • Bodenpflege,
  • Erosionsschäden,
  • Zufahrt für Maschinen,
  • bisherige Bewirtschaftung.

Ein alter Weinberg kann wertvolle Reben und geringe Erträge mit hoher Qualität besitzen.

Er kann jedoch ebenso aus überalterten, lückenhaften oder virusbelasteten Anlagen bestehen, deren Sanierung erhebliche Kosten verursacht.

Lage innerhalb einer PDO-Zone

Eine Immobilie in der Nähe von Kindzmarauli, Mukuzani oder Tsinandali liegt nicht automatisch innerhalb der jeweiligen geschützten Mikrozone.

Entscheidend sind:

  • amtlich definierte Grenzen,
  • Katasterlage der konkreten Fläche,
  • registrierte Rebsorten,
  • Einhaltung der Produktionsvorgaben.

Die Lage innerhalb einer PDO-Zone kann die Vermarktungschancen verbessern. Sie verpflichtet den Produzenten jedoch zur Einhaltung der jeweiligen Spezifikation.

Neuanlage von Weinbergen

Für eine gewerbliche Neuanlage ist seit Mai 2026 die aktuelle Genehmigungs- oder Zustimmungslage zu prüfen.

Außerdem muss geklärt werden:

  • ob die geplante Rebsorte für die Fläche geeignet ist,
  • ob sie für eine bestimmte Herkunftsbezeichnung zugelassen ist,
  • ob eine wirtschaftliche Absatzperspektive besteht,
  • ob ausreichendes Wasser verfügbar ist,
  • ob Frost-, Hagel- oder Erosionsrisiken bestehen.

Keller und Qvevris

Bei vorhandenen Qvevris sollten Fachleute kontrollieren:

  • Fassungsvermögen,
  • Alter,
  • Herkunft,
  • Risse,
  • Undichtigkeiten,
  • Innenoberfläche,
  • Wachsbeschichtung,
  • Reinigungsmöglichkeit,
  • Zugänglichkeit,
  • Entwässerung des Marani,
  • Luftfeuchtigkeit,
  • Belüftung,
  • hygienische Trennung von Produktion und Gästebereich.

Ein historischer Qvevri kann kulturell wertvoll sein, muss aber nicht automatisch für eine sichere gewerbliche Weinproduktion geeignet sein.

Gebäude und Genehmigungen

Zu unterscheiden sind:

  • Wohngebäude,
  • Produktionsgebäude,
  • Lager,
  • Verkostungsräume,
  • Gastronomie,
  • Gästezimmer,
  • Veranstaltungsflächen.

Für touristische oder gastronomische Nutzungen können zusätzliche Anforderungen gelten.

Ein bestehender Marani darf nicht automatisch als Restaurant, Hotel oder Veranstaltungsstätte betrieben werden.

Produktions- und Betriebskosten

Neben dem Kaufpreis entstehen Aufwendungen für:

  • Weinbergsarbeit,
  • Rebschnitt,
  • Pflanzenschutz,
  • Bodenbearbeitung,
  • Lese,
  • Geräte,
  • Maschinen,
  • Edelstahltanks,
  • Holzfässer,
  • neue Qvevris,
  • Kellertechnik,
  • Laboruntersuchungen,
  • Flaschen,
  • Verschlüsse,
  • Etiketten,
  • Zertifizierung,
  • Lagerung,
  • Vertrieb,
  • Export,
  • Personal,
  • Tourismus- und Gastronomieausstattung.

Bei kleinen Betrieben sind Abfüllung, Verpackung und Vertrieb pro Flasche häufig wesentlich teurer als bei großen Kellereien.

Vermarktungskonzept

Vor dem Kauf sollte feststehen, wodurch der Betrieb seine Einnahmen erzielen soll.

Mögliche Erlösquellen sind:

  • Weinverkauf,
  • Export,
  • Direktvertrieb,
  • Verkostungen,
  • Gastronomie,
  • Übernachtungen,
  • Führungen,
  • Veranstaltungen,
  • Onlinehandel,
  • Kooperationen mit Reiseveranstaltern.

Ein wirtschaftlich belastbares Weingut benötigt häufig mehrere Absatzkanäle.

Eine schöne Lage allein garantiert weder ausreichende Besucherzahlen noch einen profitablen Flaschenverkauf.


Wirtschaftlichkeit eines kleinen Weinguts

Die Rentabilität hängt nicht nur von der Zahl produzierter Flaschen ab.

Wesentliche Einflussfaktoren sind:

  • eigener oder zugekaufter Weinberg,
  • Ertrag pro Hektar,
  • Verkaufspreis,
  • Direktverkaufsanteil,
  • Exportmarge,
  • Abfüllkosten,
  • Personalkosten,
  • Auslastung der Technik,
  • Marketingkosten,
  • Lagerdauer,
  • Ausschuss,
  • Tourismusumsatz.

Direktverkauf und Export

Beim Direktverkauf kann der Produzent einen deutlich größeren Anteil des Endverkaufspreises behalten.

Beim Export müssen dagegen berücksichtigt werden:

  • Importeur,
  • Vertrieb,
  • Logistik,
  • Zollabwicklung,
  • Lagerung,
  • Marketing,
  • Handelsspanne,
  • Gastronomiemarge.

Ein Wein, der im Weingut für 15 Euro verkauft wird, bringt dem Produzenten im Exportgeschäft nicht automatisch denselben Erlös.

Kleine Produktionsmengen

Kleine Chargen ermöglichen Individualität, führen aber häufig zu höheren Stückkosten.

Besonders teuer pro Flasche können sein:

  • Etikettendruck in kleinen Mengen,
  • Glasflaschen,
  • Kartons,
  • Laboranalysen,
  • Zertifikate,
  • internationale Transporte,
  • Messeauftritte.

Lagerbestand und Kapitalbindung

Wein wird häufig nicht unmittelbar nach der Ernte verkauft.

Kapital bleibt gebunden in:

  • Trauben,
  • Fässern,
  • Tanks,
  • Flaschen,
  • Lagerbestand,
  • Verpackungsmaterial.

Bei länger gereiften Weinen kann zwischen Weinbergsarbeit und Zahlungseingang ein erheblicher Zeitraum liegen.


Zukunft der Weinherstellung in Georgien

Wiederentdeckung seltener Rebsorten

Die große genetische Vielfalt ist einer der stärksten Wettbewerbsvorteile Georgiens.

Seltene Sorten ermöglichen Weine, die sich deutlich von international standardisierten Cabernet-, Merlot- oder Chardonnay-Stilen unterscheiden.

Die Herausforderung besteht darin, diese Sorten nicht nur zu erhalten, sondern:

  • gesundes Pflanzmaterial zu vermehren,
  • geeignete Standorte zu bestimmen,
  • önologische Eigenschaften zu erforschen,
  • stabile Qualitäten zu erzeugen,
  • verständliche Marktpositionierungen zu entwickeln.

Verbindung von Tradition und Wissenschaft

Die Zukunft liegt weder in vollständiger Industrialisierung noch in einer romantisierten Ablehnung moderner Kellertechnik.

Qvevri-Weine profitieren von:

  • präziser Traubenselektion,
  • mikrobiologischer Kontrolle,
  • sauberer Gefäßpflege,
  • Temperaturbeobachtung,
  • Laboranalysen,
  • kontrolliertem Sauerstoffmanagement,
  • dokumentierten Produktionsabläufen.

Traditionelle Weinbereitung bleibt dadurch authentisch, wird aber verlässlicher und international besser vermarktbar.

Klimatische Anpassung

Steigende Temperaturen, unregelmäßige Niederschläge, Trockenperioden, Starkregen und Hagel können die georgischen Weinregionen unterschiedlich treffen.

Mögliche Anpassungsstrategien sind:

  • veränderte Laubarbeit,
  • Bodenbegrünung,
  • Erosionsschutz,
  • verbessertes Wassermanagement,
  • angepasste Lesezeitpunkte,
  • Nutzung geeigneter Höhenlagen,
  • Auswahl robuster Rebsorten,
  • bessere Hagel- und Frostvorsorge.

Georgiens regionale Vielfalt kann dabei ein Vorteil sein.

Während sehr warme Lagen möglicherweise an Säure verlieren, können kühlere Hochlagen an önologischem Potenzial gewinnen.

Herkunft statt austauschbarer Massenware

Der langfristige Wert georgischen Weins liegt weniger in möglichst großen Mengen als in klarer Herkunft und eigenständigem Charakter.

Besonders gute Voraussetzungen besitzen Weine, die nachvollziehbar erklären:

  • aus welchem Ort sie stammen,
  • aus welchem Weinberg sie stammen,
  • welche Rebsorte verwendet wurde,
  • wie lange der Maischekontakt dauerte,
  • ob im Qvevri, Tank oder Fass vergoren wurde,
  • wie der Ausbau erfolgte,
  • wie groß die Produktion ist,
  • wer den Wein hergestellt und abgefüllt hat.

Professionalisierung des Weintourismus

Weintourismus kann zusätzliche Einnahmen schaffen. Langfristig erfolgreich sind jedoch vor allem Angebote mit:

  • guter Erreichbarkeit,
  • verlässlichen Öffnungszeiten,
  • professionellen Verkostungen,
  • hygienischer Gastronomie,
  • verständlichen Informationen,
  • transparenten Preisen,
  • mehrsprachigem Service,
  • sicherer Buchungsmöglichkeit.

Glossar zur georgischen Weinherstellung

Amber Wine

Weißwein, der mit den Beerenschalen vergoren oder über längere Zeit auf der Maische ausgebaut wird. Dadurch erhält er eine goldene bis bernsteinfarbene Farbe und eine deutlichere Gerbstoffstruktur.

Chacha

Je nach Zusammenhang bezeichnet Chacha die festen Traubenbestandteile aus Schalen, Kernen und Stielen oder den daraus hergestellten georgischen Tresterbrand.

Churi

Westgeorgische, vor allem in Imeretien gebräuchliche Bezeichnung für ein Qvevri.

Marani

Georgischer Weinkeller beziehungsweise Raum oder Gebäude zur Weinherstellung und Lagerung.

Maische

Gemisch aus Traubensaft, Fruchtfleisch, Schalen und Kernen. Je nach Verarbeitung können auch Stiele enthalten sein.

PDO

Geschützte Ursprungsbezeichnung mit klar definiertem Gebiet und verbindlichen Produktionsregeln.

Qvevri

Großes, eiförmiges und gewöhnlich eingegrabenes georgisches Tongefäß zur Gärung, Reifung und Lagerung von Wein.

Rtveli

Georgische Weinlese, häufig verbunden mit gemeinschaftlicher Arbeit, Essen und Feierlichkeiten.

Satsnakheli

Traditioneller georgischer Trog oder Behälter zum Treten beziehungsweise Pressen von Trauben.

Supra

Traditionelle georgische Festtafel mit Speisen, Wein und geregelten Trinksprüchen.

Tamada

Leiter der Trinksprüche bei einer Supra.

Trester

Feste Rückstände der Traubenverarbeitung, vor allem Schalen, Kerne und gegebenenfalls Stiele.


Häufig gestellte Fragen zur Weinherstellung in Georgien

Wie wird Wein in Georgien traditionell hergestellt?

Traditionell werden Traubensaft, Schalen, Kerne und je nach regionaler Methode auch Teile der Stiele in einen eingegrabenen Qvevri gegeben. Nach der Gärung wird das Gefäß verschlossen und der Wein mehrere Wochen oder Monate auf den festen Bestandteilen oder der Hefe ausgebaut.

Was ist das Besondere an georgischer Weinherstellung?

Besonders sind die sehr frühe Weinbaugeschichte, die große Zahl einheimischer Rebsorten, die Qvevri-Methode und die deutlichen Unterschiede zwischen den östlichen und westlichen Weinregionen.

Ist Georgien das älteste Weinland der Welt?

In Georgien wurden einige der ältesten wissenschaftlich anerkannten chemischen Hinweise auf Traubenwein gefunden. Die Funde werden ungefähr auf 6000 bis 5800 vor Christus datiert. Die Bezeichnung „ältestes Weinland“ ist daher nachvollziehbar, sollte aber als Bezug auf den gegenwärtigen archäologischen Forschungsstand verstanden werden.

Was ist der Unterschied zwischen Qvevri und Kvevri?

Es handelt sich um unterschiedliche lateinische Schreibweisen desselben georgischen Wortes. UNESCO und georgische Behörden verwenden international überwiegend „Qvevri“. Im Deutschen sind auch Kvevri und Kwewri verbreitet.

Wie lange bleibt Wein im Qvevri?

Das hängt vom Weinstil ab. Rote Weine können bereits nach ungefähr ein bis zwei Wochen von den Schalen getrennt werden. Traditionelle kachetische Weißweine bleiben teilweise bis zum Frühjahr gemeinsam mit Schalen, Kernen und gegebenenfalls Stielen im Gefäß.

Warum besitzt weißer Qvevri-Wein Gerbstoff?

Die Gerbstoffe stammen vor allem aus Beerenschalen, Kernen und gegebenenfalls Stielen. Bei klassischer Weißweinbereitung werden diese früh vom Saft getrennt. Bei Amber Wine bleiben sie während der Gärung und Reifung länger in Kontakt.

Ist georgischer Amber Wine dasselbe wie Orange Wine?

Die Begriffe beschreiben grundsätzlich denselben Weintyp: einen Weißwein mit längerem Schalenkontakt. „Amber Wine“ ist in Georgien die bevorzugte Bezeichnung. „Orange Wine“ ist international gebräuchlicher.

Sind alle georgischen Weine Qvevri-Weine?

Nein. Ein großer Teil wird mit Edelstahltanks, modernen Pressen, Temperaturkontrolle und teilweise Holzfässern hergestellt. Viele Produzenten bieten sowohl klassische als auch traditionelle Weine an.

Ist Qvevri-Wein immer unfiltriert und ohne Schwefel?

Nein. Filtration und Schwefelung sind Entscheidungen des Produzenten. Die Verwendung eines Qvevri schreibt nicht automatisch eine Naturweinphilosophie vor.

Welche ist die wichtigste georgische Rotweinsorte?

Saperavi ist die wichtigste und international bekannteste rote Rebsorte. Sie ergibt tiefdunkle, säure- und gerbstoffreiche Weine mit gutem Reifepotenzial.

Welche ist die wichtigste weiße Rebsorte?

Rkatsiteli ist die bedeutendste weiße Rebsorte. Sie eignet sich sowohl für frische klassische Weißweine als auch für kräftige, auf den Schalen vergorene Qvevri-Weine.

Was ist Kindzmarauli?

Kindzmarauli ist eine geschützte Ursprungsbezeichnung aus Kachetien. Der bekannteste Stil ist ein natürlich restsüßer Rotwein aus Saperavi. Nicht jeder süße Saperavi darf als Kindzmarauli bezeichnet werden.

Was ist Khvanchkara?

Khvanchkara ist eine geschützte Herkunft aus Ratscha. Der bekannte Wein wird vor allem aus Aleksandrouli und Mujuretuli hergestellt und besitzt natürlichen Restzucker.

Was ist Tvishi?

Tvishi ist eine geschützte Ursprungsbezeichnung aus Letschchumi. Der bekannte Wein wird überwiegend aus der weißen Rebsorte Tsolikouri hergestellt und ist typischerweise natürlich restsüß.

Was ist Chacha?

Chacha bezeichnet sowohl die bei der Weinbereitung verbleibenden festen Traubenbestandteile als auch einen georgischen Tresterbrand. Chacha als Spirituose ist kein Wein.

Wie viele geschützte Weingebiete besitzt Georgien?

Georgien verfügte im August 2026 über 33 geschützte Ursprungsbezeichnungen für Wein. Die Bezeichnungen stehen für klar abgegrenzte Gebiete und verbindliche Produktionsregeln.

Welche georgische Weinregion ist für Einsteiger am wichtigsten?

Kachetien bietet den breitesten Einstieg, da dort zahlreiche bekannte Rebsorten, Qvevri-Weine, moderne Kellereien und geschützte Herkunftsgebiete konzentriert sind.

Für feinere westgeorgische Stile ist Imeretien besonders interessant. Für seltene und teilweise natürlich restsüße Weine sind Ratscha und Letschchumi wichtig.

Kann man einen Qvevri-Wein lange lagern?

Gut erzeugte Qvevri-Weine können ein erhebliches Reifepotenzial besitzen. Entscheidend sind Säure, Gerbstoff, Alkohol, Stabilität, Rebsorte, Jahrgang und Lagerbedingungen.

Nicht jeder Qvevri-Wein ist automatisch für lange Lagerung geeignet.

Ist ein alter Weinberg automatisch wertvoll?

Nein. Alte Reben können niedrige Erträge und hohe Qualität liefern. Der tatsächliche Wert hängt jedoch von Rebsorte, Gesundheit, Pflanzdichte, Lage, Pflegezustand, Eigentumsverhältnissen und Vermarktungspotenzial ab.

Weinherstellung in Georgien verbindet Herkunft, Handwerk und moderne Önologie

Die Weinherstellung in Georgien lässt sich weder auf einen eingegrabenen Tontopf noch auf die Erzählung von 8.000 Jahren Weingeschichte reduzieren.

Ihre eigentliche Stärke liegt in der Verbindung aus:

  • archäologischer Bedeutung,
  • lebendiger Familienkultur,
  • regional unterschiedlichen Verfahren,
  • mehr als 500 einheimischen Rebsorten,
  • geschützten Herkunftsgebieten,
  • moderner Qualitätskontrolle,
  • einer international wachsenden Weinwirtschaft.

Das Qvevri bleibt das unverwechselbare Symbol des georgischen Weins. Es ist jedoch kein automatisches Qualitätssiegel und keine Verpflichtung zu oxidativem, unfiltriertem oder schwefelfreiem Wein.

Hochwertiger Qvevri-Wein entsteht nur durch:

  • gesundes Lesegut,
  • saubere Gefäße,
  • kontrollierte Gärung,
  • präzise Entscheidungen über Maischekontakt,
  • geeignete Reifung,
  • stabile Abfüllung.

Gleichzeitig beweisen moderne Weißweine, strukturierte Saperavi-Rotweine, Schaumweine und geschützte restsüße Spezialitäten, wie breit die georgische Weinlandschaft tatsächlich ist.

Wer georgischen Wein verstehen oder kaufen möchte, sollte deshalb immer vier Fragen stellen:

  1. Welche Rebsorte wurde verwendet?
  2. Aus welcher Region und welchem Weinberg stammt der Wein?
  3. Besitzt er eine geschützte Herkunftsbezeichnung?
  4. Wurde er im Qvevri, im Tank, im Holzfass oder in einer Kombination dieser Gefäße hergestellt?

Quellen und weiterführende Fachinformationen

Archäologie und frühe Weingeschichte

Proceedings of the National Academy of Sciences: Early Neolithic wine of Georgia in the South Caucasus
https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1714728114

National Library of Medicine: Early Neolithic wine of Georgia in the South Caucasus
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5715782/

UNESCO und Qvevri-Tradition

UNESCO: Ancient Georgian traditional Qvevri wine-making method
https://ich.unesco.org/en/RL/ancient-georgian-traditional-qvevri-wine-making-method-00870

Georgische National Wine Agency

National Wine Agency of Georgia: Qvevri Wine
https://wine.gov.ge/En/KvevriWine

National Wine Agency of Georgia: Wine-Making Regions
https://wine.gov.ge/En/WineMakingRegions

National Wine Agency of Georgia: Georgian White Grape Varieties
https://wine.gov.ge/En/VarietyWhite

National Wine Agency of Georgia: Georgian Red Grape Varieties
https://wine.gov.ge/En/VarietyRed

National Wine Agency of Georgia: Main Activities
https://wine.gov.ge/En/Page/mainactivities

Weinrecht und staatliche Vorschriften

Legislative Herald of Georgia: Law of Georgia on Vine and Wine
https://matsne.gov.ge/en/document/view/28102

Parliament of Georgia: Änderungen des Gesetzes über Rebe und Wein
https://parliament.ge/en/media/news/parlamentma-vazisa-da-ghvinis-shesakheb-sakartvelos-kanonshi-tsvlilebebi-miigho

Landwirtschaft, Rebsorten und Weinwirtschaft

Ministry of Environmental Protection and Agriculture of Georgia
https://mepa.gov.ge/

Jahres- und Tätigkeitsbericht des georgischen Landwirtschaftsministeriums
https://mepa.gov.ge/ge/Files/Download/55533

Ministry of Environmental Protection and Agriculture: Georgian grape varieties and wine sector
https://mepa.gov.ge/En/News/Details/21527

Food and Agriculture Organization of the United Nations: Georgia and Grapes
https://www.fao.org/one-country-one-priority-product/fao-regional-knowledge-platform-on-ocop-in-europe-and-central-asia/georgia/en

Internationale Weinstatistik und Fachdefinitionen

International Organisation of Vine and Wine: State of the World Vine and Wine Sector in 2025
https://www.oiv.int/sites/default/files/2026-05/OIV-State_of_the_World_Wine_Sector_in_2025.pdf

International Organisation of Vine and Wine: White Wine with Maceration
https://www.oiv.int/white-wine-with-maceration-interview-with-the-georgian-minister-for-agriculture