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Georgiens Wirtschaft 2026

27. Juli 2026 / Georgien Immobilien

Georgiens Wirtschaft 2026: Wachstum, Inflation und Chancen für Investoren

Stand: 27. Juli 2026

Georgiens Wirtschaft ist im ersten Quartal 2026 real um 9 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2025 gewachsen. Das ist ein außergewöhnlich hohes Wachstumstempo – aber noch keine Garantie dafür, dass die georgische Wirtschaft im Gesamtjahr ebenfalls um 9 Prozent wächst oder dass Immobilienpreise, Mieten und Unternehmensgewinne im gleichen Umfang steigen.

Der Internationale Währungsfonds erwartet für das Gesamtjahr 2026 ein reales Wachstum von 6,5 Prozent. Die jüngsten Monatsdaten bestätigen, dass sich die Konjunktur nach dem sehr dynamischen Jahresauftakt etwas normalisiert: Im Mai 2026 wuchs die Wirtschaftsleistung um 6,4 Prozent. Für die ersten fünf Monate des Jahres ergibt sich ein durchschnittliches Wachstum von 7,8 Prozent.

Für deutsche Unternehmer, Kapitalanleger und Immobilieninvestoren ist diese Entwicklung grundsätzlich positiv. Eine expandierende Wirtschaft unterstützt Beschäftigung, Konsum, Unternehmensgründungen, Wohnraumnachfrage und Investitionen. Gleichzeitig zeigt ein genauer Blick auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche, dass nicht jeder Standort und nicht jede Immobilienklasse automatisch vom georgischen Wirtschaftswachstum profitiert.

Die entscheidende Investorenfrage lautet daher nicht nur:

Wächst Georgien?

Viel wichtiger ist:

Welche Branchen, Standorte und Immobiliensegmente werden durch dieses Wachstum tatsächlich und langfristig getragen?

Georgiens Wirtschaft 2026 in Zahlen

Kennzahl Aktueller Stand Bedeutung für Investoren
Reales BIP-Wachstum im ersten Quartal 2026 9,0 % Sehr starker Jahresauftakt
Wachstum von Januar bis Mai 2026 7,8 % Wirtschaftsdynamik bleibt hoch
IWF-Prognose für das Gesamtjahr 2026 6,5 % Kräftiges, aber niedrigeres Jahrestempo
Verbraucherpreisinflation im Juni 2026 5,8 % Deutlich über dem Inflationsziel
Leitzins der Nationalbank 8,25 % Lokale Finanzierung bleibt vergleichsweise teuer
Ausländische Direktinvestitionen im ersten Quartal 271,2 Mio. US-Dollar 47,7 % mehr als im Vorjahresquartal
Internationale Reserven im Mai 2026 rund 7,0 Mrd. US-Dollar Besserer Schutz gegen externe Schocks
Prognostizierte Staatsschulden 2026 33,6 % des BIP International betrachtet moderates Niveau
Preise neuer Wohnimmobilien in Tiflis im zweiten Quartal +4,9 % zum Vorjahr Weiter steigender, aber nicht explosionsartiger Markt

Die Daten verdeutlichen ein grundsätzlich konstruktives wirtschaftliches Umfeld. Gleichzeitig zeigen Inflation, Zinsniveau und unterschiedliche Branchenentwicklungen, dass die Wirtschaft Georgiens 2026 nicht nur aus positiven Schlagzeilen besteht.

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Was bedeutet das Wirtschaftswachstum von 9 Prozent tatsächlich?

Die Wachstumsrate von 9 Prozent bezeichnet die Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal 2026 gegenüber dem ersten Quartal 2025.

„Real“ bedeutet, dass Preisveränderungen aus der Berechnung herausgerechnet werden. Gemessen wird damit die Veränderung der tatsächlich produzierten Waren und erbrachten Dienstleistungen.

Das nominale Bruttoinlandsprodukt Georgiens erreichte im ersten Quartal 2026 rund 24,77 Milliarden Georgische Lari beziehungsweise etwa 9,18 Milliarden US-Dollar. Der BIP-Deflator, der die Preisentwicklung der im Land erzeugten Wirtschaftsleistung misst, erhöhte sich um 2,3 Prozent.

Für Investoren ist wichtig, die Zahl von 9 Prozent richtig einzuordnen.

Sie bedeutet nicht:

  • dass die georgische Wirtschaft im Gesamtjahr um 9 Prozent wachsen wird,
  • dass Einkommen und Löhne überall um 9 Prozent steigen,
  • dass jede Branche gleichermaßen profitiert,
  • dass Immobilienpreise automatisch um 9 Prozent steigen,
  • dass Mieten im gesamten Land entsprechend zulegen,
  • dass Investoren automatisch eine Rendite von 9 Prozent erzielen.

Ein einzelnes Quartal bildet lediglich einen Teil des Jahres ab. Besonders starke Ergebnisse am Jahresanfang können sich im weiteren Verlauf abschwächen.

Genau das deutet sich bereits an. Nach dem außergewöhnlich starken ersten Quartal lag das reale Wachstum im April bei 6,2 Prozent und im Mai bei 6,4 Prozent. Für Januar bis Mai ergibt sich dennoch ein sehr beachtliches durchschnittliches Wachstum von 7,8 Prozent.

Die IWF-Prognose von 6,5 Prozent für das Gesamtjahr steht deshalb nicht im Widerspruch zu den 9 Prozent des ersten Quartals. Sie berücksichtigt eine wahrscheinliche Normalisierung der wirtschaftlichen Dynamik in den folgenden Monaten.

Georgiens Wirtschaft 2026 Infografik

Georgiens Wirtschaft 2026 Infografik

Welche Branchen treiben Georgiens Wirtschaftswachstum?

Für Investoren ist die Zusammensetzung des Wachstums wichtiger als die Gesamtzahl.

Im ersten Quartal 2026 gehörten insbesondere Informations- und Kommunikationstechnologie, Transport, Finanzdienstleistungen, Gastronomie, Unterhaltung und Gesundheitsleistungen zu den dynamischsten Wirtschaftsbereichen.

Wirtschaftsbereich Reales Wachstum im ersten Quartal 2026 Mögliche Bedeutung für Immobilien
Information und Kommunikation 36,0 % Wohnungen für Fachkräfte, flexible Büroflächen
Transport und Lagerung 18,0 % Logistik-, Lager- und Gewerbeimmobilien
Kunst, Unterhaltung und Erholung 14,5 % Freizeit-, Veranstaltungs- und Tourismusimmobilien
Gesundheit und soziale Dienstleistungen 12,6 % Medizinische Flächen und Personalwohnungen
Beherbergung und Gastronomie 12,4 % Hotels, Serviced Apartments, Gastronomieflächen
Finanz- und Versicherungswirtschaft 11,7 % Hochwertige Büro- und Wohnlagen
Handel 5,5 % Einzelhandel, Nahversorgung und urbane Logistik
Immobilienwirtschaft 3,1 % Wachstum unterhalb der Gesamtwirtschaft
Bauwirtschaft –2,0 % Kein flächendeckender Bauboom
Landwirtschaft –3,3 % Schwächeres Umfeld für einzelne Agrarprojekte

Besonders auffällig ist das Wachstum der Informations- und Kommunikationsbranche um 36 Prozent. Der Sektor hatte im ersten Quartal bereits einen Anteil von rund 10,4 Prozent am georgischen Bruttoinlandsprodukt.

Die Immobilienwirtschaft kam auf einen Anteil von etwa 10 Prozent, wuchs real jedoch nur um 3,1 Prozent. Die Bauwirtschaft schrumpfte sogar um 2 Prozent.

Diese Unterschiede widerlegen die vereinfachte Vorstellung, dass ein starkes Wirtschaftswachstum automatisch einen allgemeinen Immobilienboom auslöst.

Der wichtigste Wachstumstreiber war nicht die Errichtung neuer Gebäude, sondern vor allem die Expansion produktiver Dienstleistungsbranchen.

Informations- und Kommunikationstechnologie wird zum Wachstumsmotor

Der Technologiesektor entwickelt sich zu einer zunehmend wichtigen Säule der georgischen Wirtschaft.

Im ersten Quartal 2026 stiegen die Exporte von Computer- und Informationsdienstleistungen gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich. Das Exportvolumen erreichte rund 441,3 Millionen US-Dollar und entsprach bereits einem beträchtlichen Anteil der quartalsbezogenen Wirtschaftsleistung.

Für den Immobilienmarkt kann diese Entwicklung insbesondere in Tiflis zusätzliche Nachfrage erzeugen.

Davon profitieren können:

  • gut ausgestattete Mietwohnungen für Fachkräfte,
  • möblierte Apartments für internationale Beschäftigte,
  • kleinere und flexible Büroeinheiten,
  • Coworking-Flächen,
  • gemischt genutzte Gebäude,
  • Objekte mit zuverlässiger Internet- und Energieversorgung.

Allerdings sollte das Potenzial für klassische Büroimmobilien nicht überschätzt werden.

Technologieunternehmen arbeiten häufig mit internationalen Teams, dezentralen Beschäftigungsmodellen und flexiblen Arbeitsplatzkonzepten. Ein stark wachsender IT-Sektor führt deshalb nicht zwingend zu einer proportional steigenden Nachfrage nach großen, langfristig angemieteten Büroflächen.

Interessanter können kleine, hochwertige und flexibel nutzbare Einheiten sein, die sich an wechselnde Unternehmensgrößen und hybride Arbeitsmodelle anpassen lassen.

Transport und Logistik profitieren von Georgiens Lage

Transport und Lagerung wuchsen im ersten Quartal real um 18 Prozent.

Diese Entwicklung unterstreicht Georgiens Bedeutung als Verbindung zwischen Europa, Zentralasien, dem Kaukasus, der Türkei und dem Raum des Kaspischen Meeres.

Das Land profitiert grundsätzlich von:

  • seiner Lage zwischen Schwarzem Meer und Kaspischem Raum,
  • internationalen Straßen- und Schienenverbindungen,
  • den Häfen an der georgischen Schwarzmeerküste,
  • dem zunehmenden Warenverkehr zwischen Ost und West,
  • regionalen Handels- und Transitströmen.

Für Immobilieninvestoren können sich daraus Chancen bei Lagerhallen, Umschlagflächen, Gewerbegrundstücken, kleineren Logistikzentren und leichten Industrieflächen ergeben.

Besonders relevant sind Standorte mit guter Anbindung an:

  • die zentrale Ost-West-Verkehrsachse,
  • Autobahnen und Hauptverkehrsstraßen,
  • Eisenbahnverbindungen,
  • die Häfen von Poti und Batumi,
  • Tiflis und andere größere Verbrauchszentren.

Bei Logistikimmobilien ist die nationale Wachstumsrate jedoch weniger wichtig als die konkrete Vermietbarkeit.

Ein Grundstück in der Nähe einer Hauptverkehrsstraße ist noch keine rentable Logistikinvestition. Entscheidend sind vielmehr:

  • gesicherte Zufahrtsmöglichkeiten,
  • ausreichende Stromversorgung,
  • Wasser- und Abwasseranschlüsse,
  • belastbare Böden,
  • geeignete Grundstückszuschnitte,
  • ausreichende Rangierflächen,
  • rechtssichere gewerbliche Nutzung,
  • konkrete Mietinteressenten oder Nutzer.

Spekulative Logistikprojekte ohne gesicherte Nachfrage können auch in einer wachsenden Volkswirtschaft erhebliche Risiken aufweisen.

Tourismus und Gastronomie wachsen unterschiedlich

Beherbergung und Gastronomie wuchsen im ersten Quartal 2026 real um 12,4 Prozent.

Gleichzeitig entwickelten sich die internationalen Reiseeinnahmen wesentlich verhaltener. Das zeigt, warum Hotel- und Ferienimmobilien differenziert beurteilt werden müssen.

Ein wachsender Gastronomie- und Beherbergungssektor kann verschiedene Ursachen haben:

  • höhere Preise,
  • wachsende Inlandsnachfrage,
  • neue gastronomische Betriebe,
  • bessere Auslastung einzelner Regionen,
  • eine Verlagerung der Nachfrage zwischen verschiedenen touristischen Standorten.

Daraus folgt nicht automatisch, dass jedes Apartmenthotel, jede Ferienwohnung oder jedes Hotelprojekt erfolgreich sein wird.

Bei Tourismusimmobilien müssen Investoren insbesondere prüfen:

  • tatsächliche Übernachtungszahlen am konkreten Standort,
  • saisonale Schwankungen,
  • durchschnittliche Tagespreise,
  • Wettbewerb durch neue Projekte,
  • Qualität und Bonität des Betreibers,
  • laufende Service- und Verwaltungskosten,
  • Abhängigkeit von einzelnen Herkunftsmärkten,
  • Fluganbindungen,
  • realistische Wiederverkaufsmöglichkeiten.

Besonders in stark entwickelten Apartmentmärkten ist zwischen dem Verkauf von Einheiten an Kapitalanleger und der tatsächlichen Nachfrage durch Urlauber zu unterscheiden.

Eine hohe Verkaufsquote eines Neubauprojekts ist noch kein Nachweis für eine dauerhaft hohe touristische Auslastung.

Ausländische Direktinvestitionen steigen um 47,7 Prozent

Die ausländischen Direktinvestitionen in Georgien erreichten im ersten Quartal 2026 rund 271,2 Millionen US-Dollar.

Gegenüber dem vorläufigen Vergleichswert des ersten Quartals 2025 entspricht dies einem Anstieg von 47,7 Prozent.

Von der Gesamtsumme entfielen:

Bestandteil Volumen Anteil
Reinvestierte Gewinne 145,8 Mio. US-Dollar 53,8 %
Eigenkapitalinvestitionen 101,6 Mio. US-Dollar 37,5 %
Fremdkapitalinstrumente 23,8 Mio. US-Dollar 8,8 %

Der hohe Anteil reinvestierter Gewinne ist grundsätzlich ein positives Signal.

Er deutet darauf hin, dass bereits in Georgien tätige ausländische Unternehmen einen erheblichen Teil ihrer erwirtschafteten Gewinne im Land belassen und erneut investieren.

Das kann als Hinweis auf:

  • profitable Geschäftsmodelle,
  • Vertrauen bestehender Investoren,
  • langfristige Unternehmensstrategien,
  • attraktive Wachstumschancen

interpretiert werden.

Gleichzeitig handelt es sich nicht ausschließlich um neue Unternehmensansiedlungen oder vollständig neu zufließendes Kapital.

Reinvestierte Gewinne werden statistisch als Direktinvestitionen erfasst, stellen aber keine vollständige Neuinvestition von außen dar. Für eine belastbare Beurteilung der Investitionsdynamik müssen deshalb Eigenkapital, Neugründungen, Unternehmensübernahmen und reinvestierte Gewinne getrennt betrachtet werden.

Welche Branchen erhalten ausländisches Kapital?

Die größten ausländischen Direktinvestitionen entfielen im ersten Quartal 2026 auf folgende Wirtschaftsbereiche:

Branche Direktinvestitionen Anteil an den gesamten Direktinvestitionen
Finanz- und Versicherungswirtschaft 125,1 Mio. US-Dollar 46,1 %
Immobilienwirtschaft 48,8 Mio. US-Dollar 18,0 %
Information und Kommunikation 37,2 Mio. US-Dollar 13,7 %
Energie 31,9 Mio. US-Dollar 11,8 %
Handel 24,6 Mio. US-Dollar 9,1 %
Industrie 18,5 Mio. US-Dollar 6,8 %
Bauwirtschaft 12,3 Mio. US-Dollar 4,5 %

Einzelne Branchenwerte können durch negative Investitionen, Rückzahlungen oder konzerninterne Kapitalbewegungen beeinflusst werden. Deshalb lassen sich die veröffentlichten Anteile nicht in jedem Fall einfach addieren.

Die drei größten Bereiche Finanzwirtschaft, Immobilien und Informationstechnologie vereinten gemeinsam einen erheblichen Teil der Direktinvestitionen auf sich.

Für Immobilieninvestoren ist eine wichtige Einschränkung zu beachten:

Die 48,8 Millionen US-Dollar im Bereich Immobilienwirtschaft dürfen nicht mit dem gesamten Volumen ausländischer Wohnungskäufe gleichgesetzt werden.

Die Statistik erfasst Unternehmensbeteiligungen, Kapitalzuführungen und reinvestierte Erträge nach wirtschaftlicher Tätigkeit. Sie bildet nicht sämtliche privaten Immobilienkäufe ausländischer Personen ab.

Deutschland gehört zu den größeren Herkunftsländern

Direktinvestitionen aus Deutschland beliefen sich im ersten Quartal 2026 auf rund 17 Millionen US-Dollar. Dies entsprach ungefähr 6,3 Prozent der gesamten ausländischen Direktinvestitionen.

Zu den größten Herkunftsländern gehörten außerdem:

  • das Vereinigte Königreich,
  • die Vereinigten Staaten,
  • die Niederlande.

Für deutsche Unternehmer ist dies ein Hinweis darauf, dass Georgien nicht ausschließlich von regionalen Kapitalströmen abhängig ist.

Die Herkunft der Investoren wird internationaler. Dennoch schwanken quartalsbezogene Direktinvestitionen stark. Einzelne Großtransaktionen, Unternehmensübernahmen oder konzerninterne Kapitalbewegungen können die Statistik erheblich beeinflussen.

Ein einzelnes Quartal sollte deshalb niemals isoliert als langfristiger Trend interpretiert werden.

Wie belastbar ist Georgiens Wirtschaftswachstum?

Der Internationale Währungsfonds bezeichnet die georgische Wirtschaft als widerstandsfähig.

Dafür gibt es mehrere nachvollziehbare Gründe.

Staatsschulden bleiben moderat

Die öffentlichen Schulden lagen 2025 nach Angaben des IWF bei rund 34,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Für 2026 erwartet der IWF einen Rückgang auf etwa 33,6 Prozent und für 2027 auf rund 32,8 Prozent.

Damit liegt die georgische Staatsschuldenquote international betrachtet auf einem moderaten Niveau.

Eine vergleichsweise geringe Staatsverschuldung kann dem Land Handlungsspielräume geben, um:

  • Infrastrukturprojekte zu finanzieren,
  • auf wirtschaftliche Krisen zu reagieren,
  • internationale Schocks abzufedern,
  • strategische Investitionen zu unterstützen.

Voraussetzung bleibt allerdings eine langfristig solide Haushaltsführung.

Internationale Reserven wurden deutlich gestärkt

Die Brutto-Währungsreserven Georgiens erreichten im Mai 2026 rund 7 Milliarden US-Dollar.

Hohe Währungsreserven verbessern die Fähigkeit der Nationalbank, auf externe Kapitalabflüsse, Währungsschwankungen und internationale Krisen zu reagieren.

Sie können das Vertrauen in die wirtschaftliche Stabilität stärken und den Spielraum für geldpolitische Maßnahmen erweitern.

Währungsreserven verhindern jedoch nicht jede Abwertung des Georgischen Lari.

Georgien verfolgt grundsätzlich ein flexibles Wechselkurssystem. Der Wechselkurs reagiert deshalb auf:

  • internationale Kapitalbewegungen,
  • Tourismus- und Exporterlöse,
  • Energieimporte,
  • politische Entwicklungen,
  • Zinserwartungen,
  • regionale Krisen.

Für ausländische Immobilieninvestoren bleibt das Wechselkursrisiko deshalb ein zentraler Bestandteil jeder Kalkulation.

Das Bankensystem gilt grundsätzlich als solide

Die georgischen Banken verfügen nach Einschätzung der zuständigen Institutionen grundsätzlich über solide Kapital- und Liquiditätskennzahlen.

Gleichzeitig wuchs das Kreditportfolio – bereinigt um Wechselkurseffekte – innerhalb eines Jahres um etwa 14,9 Prozent. Getragen wurde die Entwicklung insbesondere von Unternehmenskrediten.

Das schnelle Kreditwachstum ist zweischneidig.

Einerseits unterstützt es:

  • Unternehmensinvestitionen,
  • Konsum,
  • Immobilienkäufe,
  • Bauvorhaben,
  • wirtschaftliche Expansion.

Andererseits können zu schnell steigende Kredite langfristig zu:

  • Fehlallokationen,
  • Überbewertungen,
  • steigender Verschuldung,
  • höheren Kreditausfällen,
  • größerer Krisenanfälligkeit

führen.

Aktuell wird noch keine akute systemische Überhitzung diagnostiziert. Dennoch müssen Kreditwachstum, Fremdwährungsrisiken und Aktivitäten außerhalb des klassischen Bankensystems aufmerksam beobachtet werden.

Georgien Inflation 2026: Warum das Wachstum nicht nur Vorteile bringt

Die jährliche Verbraucherpreisinflation lag im Juni 2026 bei 5,8 Prozent.

Das Inflationsziel der Nationalbank beträgt 3 Prozent. Die Kerninflation, bei der besonders schwankungsanfällige Preisbestandteile ausgeklammert werden, lag bei etwa 3,5 Prozent.

Besonders stark erhöhten sich gegenüber Juni 2025:

  • Transportkosten,
  • Restaurant- und Hotelpreise,
  • Kosten für Wohnen, Wasser, Strom, Gas und Brennstoffe,
  • Lebensmittel und alkoholfreie Getränke.

Für Immobilieninvestoren ist nicht nur die allgemeine Inflationsrate relevant.

Entscheidend ist, welche Kostenpositionen das jeweilige Objekt betreffen.

Höhere Energie-, Transport- und Dienstleistungspreise können insbesondere belasten:

  • Hotel- und Apartmentbetriebe,
  • möblierte Vermietungen,
  • Immobilienverwaltungen,
  • Bau- und Sanierungsprojekte,
  • Logistikimmobilien,
  • Objekte mit energieintensiver Haustechnik,
  • Gastronomie- und Gewerbeflächen.

Die Nationalbank hielt den Leitzins im Juni 2026 bei 8,25 Prozent.

Der IWF erwartet, dass die Inflation erst bis Mitte 2027 nachhaltig in Richtung des Zielwertes zurückkehrt.

Der Leitzins entspricht nicht unmittelbar dem Zinssatz eines Immobilienkredits. Er beeinflusst jedoch das allgemeine Zinsniveau in Georgischen Lari.

Lokale Finanzierungen können daher trotz des starken Wirtschaftswachstums vergleichsweise teuer bleiben.

Wie entwickeln sich die Baukosten?

Der georgische Baukostenindex lag im Mai 2026 um 4,1 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Die Entwicklung verlief je nach Segment sehr unterschiedlich:

Segment Veränderung zum Vorjahr
Wohnungsbau +0,3 %
Nichtwohnungsbau +7,0 %
Tief- und Infrastrukturbau +6,8 %
Gesamter Baukostenindex +4,1 %

Seit Februar 2022 war der gesamte Baukostenindex bis Mai 2026 deutlich gestiegen.

Besonders stark erhöhten sich zuletzt Kosten in den Bereichen Transport, Kraftstoffe und Elektrizität.

Die Daten zeigen, dass pauschale Aussagen über „steigende Baukosten in Georgien“ zu ungenau sind.

Der reine Wohnungsbau verzeichnete zuletzt nur einen moderaten jährlichen Kostenanstieg. Nichtwohnungs-, Gewerbe- und Infrastrukturprojekte waren deutlich stärker betroffen.

Für Anleger in Hotels, Logistikzentren, Bürogebäude oder größere Gewerbeprojekte kann der Kostendruck damit erheblich höher sein als für Käufer einer bereits fertiggestellten Wohnung.

Hinzu kommt, dass die reale Wertschöpfung der Bauwirtschaft im ersten Quartal zurückging.

Das spricht gegen die Vorstellung eines flächendeckenden und ungebremsten Baubooms.

Georgiens Wirtschaft 2026

Georgiens Wirtschaft 2026

Was bedeutet das Wachstum für den Immobilienmarkt Georgien?

Eine wachsende Wirtschaft erhöht grundsätzlich die potenzielle Nachfrage nach Wohn- und Gewerbeflächen.

Entscheidend ist jedoch, ob das Wachstum am konkreten Standort tatsächlich zu folgenden Entwicklungen führt:

  • mehr Beschäftigung,
  • höheren Einkommen,
  • Unternehmensansiedlungen,
  • zusätzlichen Studierenden,
  • steigenden Übernachtungszahlen,
  • wachsendem Warenverkehr,
  • langfristiger Zuwanderung.

Wohnimmobilien

Wohnimmobilien können profitieren, wenn neue Arbeitsplätze entstehen und Haushalte dauerhaft an einen Standort ziehen.

Besonders relevant sind Wohnungen für:

  • Beschäftigte in Technologie- und Finanzunternehmen,
  • internationale Unternehmer und Fachkräfte,
  • Studierende,
  • medizinisches Personal,
  • Mitarbeiter internationaler Organisationen,
  • mittel- und langfristig in Georgien lebende Ausländer.

Das stärkste Potenzial besitzen nicht automatisch besonders luxuriöse Wohnungen.

Häufig sind gut geschnittene, funktionale und professionell verwaltete Einheiten mit niedrigen Betriebskosten leichter zu vermieten als große Prestigeobjekte.

Der offizielle Preisindex für neue Wohnimmobilien in Tiflis stieg im zweiten Quartal 2026 um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 4,9 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2025.

Seit dem Referenzjahr 2020 liegt der Index deutlich höher.

Der Vergleich ist aufschlussreich:

Während die Gesamtwirtschaft im ersten Quartal um 9 Prozent wuchs, stiegen die Preise neuer Wohnimmobilien in Tiflis im Jahresvergleich um 4,9 Prozent.

Wirtschaftswachstum und Immobilienpreise bewegen sich also nicht automatisch im Gleichschritt.

Büroimmobilien

Das starke Wachstum von Technologie, Finanzdienstleistungen und professionellen Dienstleistungen unterstützt grundsätzlich die Nachfrage nach Büroflächen.

Besonders gefragt können kleinere, moderne und flexibel teilbare Einheiten sein.

Bei größeren Büroprojekten sollten Investoren jedoch nicht allein auf das Wachstum des Technologiesektors vertrauen.

Entscheidend sind:

  • bestehende Vorvermietungen,
  • tatsächlicher Flächenbedarf der Unternehmen,
  • Erreichbarkeit für Mitarbeiter,
  • Park- und Verkehrssituation,
  • technische Ausstattung,
  • Wettbewerb durch neue Projekte,
  • Umnutzungsmöglichkeiten.

Ein Bürogebäude ohne langfristige Nutzer bleibt auch in einer stark wachsenden Volkswirtschaft ein spekulatives Investment.

Logistik- und Gewerbeimmobilien

Das Wachstum von Transport, Handel und Warenexporten verbessert die strukturellen Voraussetzungen für Logistikimmobilien.

Besonders interessant können kleine und mittlere Lagerflächen sein, die nicht nur den internationalen Transit, sondern auch die lokale Versorgung bedienen.

Bei großflächigen Projekten sollte die Vermietung möglichst vor Baubeginn gesichert werden.

Die höheren Kosten im Nichtwohnungsbau erhöhen das Risiko spekulativer Entwicklungen ohne feststehende Nutzer.

Hotels und Serviced Apartments

Tourismusimmobilien können von der Expansion der Beherbergungs- und Gastronomiebranche profitieren.

Gleichzeitig bleiben sie stärker als klassische Wohnimmobilien abhängig von:

  • internationalen Flugverbindungen,
  • geopolitischen Entwicklungen,
  • Herkunftsmärkten,
  • Wechselkursen,
  • saisonalen Schwankungen,
  • Betreiberqualität.

Bei Serviced Apartments sollten beworbene Bruttorenditen stets um folgende Positionen bereinigt werden:

  • Betreibervergütung,
  • Gebühren von Buchungsplattformen,
  • Reinigung,
  • Instandhaltung,
  • Möbelerneuerung,
  • Leerstandszeiten,
  • Rücklagen,
  • Steuern,
  • Verwaltungskosten.

Entscheidend ist nicht die beworbene Rendite, sondern der tatsächlich beim Eigentümer verbleibende Nettoertrag.

Einzelhandel

Der Handel wuchs im ersten Quartal real um 5,5 Prozent.

Davon können Nahversorgungsflächen, innerstädtische Geschäftslagen und gut angebundene Einzelhandelsstandorte profitieren.

Die durchschnittliche Entwicklung des Handels ist jedoch keine ausreichende Grundlage für den Erwerb einer Ladenfläche.

Wichtiger sind:

  • Fußgängerfrequenz,
  • Kaufkraft im direkten Umfeld,
  • Sichtbarkeit,
  • Parkplatzangebot,
  • Mietvertragslaufzeit,
  • Bonität des Mieters,
  • Konkurrenzsituation.

Welche Standorte können vom Wachstum profitieren?

Die folgende Einordnung ist eine investorenbezogene Ableitung aus der georgischen Wirtschaftsstruktur. Sie stellt keine garantierte Preis- oder Renditeprognose dar.

Standort Wirtschaftliche Grundlage Interessante Immobiliensegmente Wichtigster Prüfpunkt
Tiflis Technologie, Finanzen, Verwaltung, Bildung, Dienstleistungen Mietwohnungen, flexible Büros, Serviced Apartments, urbane Logistik Angebot und Nachfrage im einzelnen Stadtteil
Batumi und Adscharien Tourismus, Handel, Dienstleistungen Ferienwohnungen, Hotels, möblierte Vermietung Saisonabhängigkeit und Neubaupipeline
Kutaisi und Imeretien Industrie, Bildung, regionale Logistik Bezahlbarer Wohnraum, Gewerbe, Mitarbeiterwohnungen Dauerhafte Arbeitgeber- und Mieternachfrage
Poti und westliche Verkehrskorridore Hafen, Transport, Logistik Lagerhallen, Gewerbegrundstücke, leichte Industrie Verkehrsanbindung und konkrete Nutzer
Gudauri und Bakuriani Winter- und Freizeittourismus Ferienapartments, Betreiberimmobilien Saison, Betreiberqualität und laufende Kosten
Kachetien Landwirtschaft, Wein und Tourismus Boutiquehotels, Ferienhäuser, landwirtschaftliche Projekte Ganzjährige Auslastung und Betriebskonzept

Tiflis bleibt der breiteste Immobilienmarkt

Tiflis vereint die wichtigsten Wachstumsbranchen des Landes.

Technologieunternehmen, Banken, öffentliche Einrichtungen, Hochschulen, internationale Organisationen und Dienstleistungsunternehmen konzentrieren sich überwiegend in der Hauptstadt.

Dadurch ist die Nachfrage breiter als an reinen Tourismusstandorten.

Dennoch bestehen innerhalb von Tiflis erhebliche Unterschiede.

Ein Objekt in Vake richtet sich an andere Zielgruppen als eine Wohnung in:

  • Saburtalo,
  • Isani,
  • Didi Dighomi,
  • Gldani,
  • Ortachala,
  • Chughureti.

Investoren sollten deshalb nicht einfach den „Immobilienmarkt Tiflis“ bewerten, sondern den jeweiligen Mikromarkt.

Wichtige Fragen sind:

  • Wer soll die Wohnung mieten?
  • Wie hoch sind vergleichbare Bestandsmieten?
  • Wie viele Neubauwohnungen werden im Umfeld fertiggestellt?
  • Ist die Lage gut an den öffentlichen Verkehr angebunden?
  • Welche Arbeitgeber, Universitäten oder Kliniken befinden sich in der Nähe?
  • Wie hoch sind Betriebskosten und Hausgeld?
  • Wie schnell lassen sich vergleichbare Wohnungen wieder verkaufen?

Batumi bietet Chancen und eine hohe Angebotsdynamik

Batumi kann von Tourismus, internationaler Nachfrage und wachsenden Dienstleistungen profitieren.

Der Markt ist jedoch stark von Apartmentprojekten geprägt, die gezielt an ausländische Kapitalanleger verkauft werden.

Die zentrale Frage ist deshalb nicht, wie viele Wohnungen verkauft werden, sondern wie viele Einheiten später gleichzeitig zur Vermietung angeboten werden.

Eine hohe Verkaufsquote eines Projekts ist noch kein Beleg für eine starke Endnachfrage von Mietern und Hotelgästen.

Besonders wichtig sind:

  • realistische Auslastungsannahmen,
  • belastbare Betreiberverträge,
  • transparente Nebenkosten,
  • klare Regelungen zur Eigennutzung,
  • nachvollziehbare Abrechnungen,
  • ausreichende Rücklagen,
  • realistische Wiederverkaufspreise.

Kutaisi kann für einkommensorientierte Investoren interessant sein

Kutaisi besitzt niedrigere Einstiegspreise als Tiflis und Batumi.

Chancen können sich bei bezahlbaren Wohnungen, Mitarbeiterunterkünften und kleineren Gewerbeflächen ergeben.

Der Markt ist jedoch weniger liquide.

Ein günstiger Kaufpreis allein begründet keine gute Investition. Entscheidend ist, ob ein Objekt:

  • dauerhaft vermietet werden kann,
  • eine ausreichend große Zielgruppe besitzt,
  • keine übermäßigen Leerstandsrisiken aufweist,
  • innerhalb eines vertretbaren Zeitraums wieder verkauft werden kann.

Logistikstandorte benötigen Nutzer, nicht nur eine gute Lage

Poti und Standorte entlang der wichtigsten Ost-West-Verbindungen können durch das starke Wachstum von Transport und Logistik profitieren.

Für einen erfolgreichen Erwerb müssen jedoch mehr Voraussetzungen erfüllt sein als die Nähe zu einer Verkehrsachse.

Notwendig sind insbesondere:

  • ausreichende Strom- und Wasserversorgung,
  • befestigte Zufahrten,
  • belastbare Böden,
  • geeignete Grundstückszuschnitte,
  • rechtssichere gewerbliche Nutzung,
  • konkrete Nutzer oder Mieter,
  • kalkulierbare Bau- und Erschließungskosten.

Warum profitiert nicht jede Immobilie automatisch?

1. Wirtschaftswachstum ist kein Mietwachstum

Das Bruttoinlandsprodukt kann durch exportorientierte Unternehmen wachsen, ohne dass die lokale Wohnraumnachfrage im gleichen Umfang steigt.

Entscheidend ist, wo die Beschäftigten leben, wie sich ihre Einkommen entwickeln und welche Wohnungen sie tatsächlich nachfragen.

2. Nationale Daten sagen wenig über einzelne Stadtteile

Ein Wirtschaftswachstum von 9 Prozent kann gleichzeitig mit Leerständen in einem schwachen Mikromarkt auftreten.

Die nationale Konjunktur ersetzt keine Standortanalyse.

3. Hohe Inflation kann nominale Gewinne entwerten

Steigt eine Miete um 5 Prozent, während die laufenden Kosten um 7 Prozent steigen, verbessert sich der reale Ertrag nicht.

Immobilienrenditen müssen deshalb immer nach Inflation, Verwaltung, Instandhaltung und Leerstand beurteilt werden.

4. Fremdwährungen können Ergebnisse verändern

Viele Immobilienpreise und Kaufverträge in Georgien orientieren sich am US-Dollar, während Mieteinnahmen teilweise in Georgischen Lari erzielt werden.

Deutsche Investoren rechnen ihre Ergebnisse meist in Euro.

Dadurch können drei Währungen gleichzeitig eine Rolle spielen:

  • Kaufpreis oder Finanzierung in US-Dollar,
  • Mieteinnahmen in Georgischen Lari,
  • persönliche Renditeberechnung in Euro.

Eine Immobilie kann in Lari an Wert gewinnen und in Euro dennoch eine deutlich geringere Rendite erzielen, wenn sich die Wechselkurse ungünstig entwickeln.

5. Fremdfinanzierung verstärkt Chancen und Risiken

Steigende Kredite unterstützen Investitionen, erhöhen aber die Empfindlichkeit gegenüber:

  • Zinsen,
  • Leerstand,
  • Währungsschwankungen,
  • Refinanzierungsrisiken,
  • sinkenden Immobilienpreisen.

Besonders riskant ist eine Fremdwährungsfinanzierung, wenn die Mieteinnahmen in einer anderen Währung erzielt werden.

6. Professionelle Verwaltung entscheidet über den Nettoertrag

Bei ausländischen Eigentümern beeinflussen Vermietung, Mieterprüfung, Zahlungsüberwachung, Reparaturen und Abrechnung den tatsächlichen Erfolg erheblich.

Eine theoretisch hohe Bruttorendite kann durch schwache Verwaltung vollständig aufgezehrt werden.

Die wichtigsten Risiken für Georgien-Investitionen 2026

Inflation bleibt länger erhöht

Der IWF geht davon aus, dass die Inflation erst bis Mitte 2027 wieder nachhaltig in Richtung des Zielwertes zurückkehrt.

Bis dahin können Betriebskosten, lokale Dienstleistungen und Finanzierungskosten erhöht bleiben.

Schnelles Kreditwachstum muss beobachtet werden

Das georgische Kreditportfolio wächst weiterhin deutlich.

Das ist noch kein Beleg für eine Bankenkrise, erhöht aber die Bedeutung sorgfältiger Kreditprüfung und einer stabilitätsorientierten Bankenaufsicht.

Georgien bleibt von externen Entwicklungen abhängig

Als kleine und offene Volkswirtschaft reagiert Georgien empfindlich auf:

  • Energiepreise,
  • internationale Finanzierungsbedingungen,
  • Tourismusströme,
  • geopolitische Konflikte,
  • Handelsbeschränkungen,
  • Entwicklungen in wichtigen Partnerländern.

Veränderte Handels- und Transitrouten können sowohl Chancen als auch Risiken für Georgien schaffen.

Das Leistungsbilanzdefizit könnte wieder steigen

Ein Leistungsbilanzdefizit ist nicht automatisch kritisch.

Es erhöht jedoch die Abhängigkeit des Landes von:

  • Direktinvestitionen,
  • Kapitalzuflüssen,
  • Dienstleistungsexporten,
  • Tourismuseinnahmen,
  • stabilen internationalen Finanzierungsbedingungen.

Politische Berechenbarkeit beeinflusst Investorenvertrauen

Langfristige Immobilien- und Unternehmensinvestitionen benötigen ein möglichst vorhersehbares regulatorisches und außenwirtschaftliches Umfeld.

Politische Spannungen oder Unsicherheiten können:

  • Finanzierungsentscheidungen verzögern,
  • Direktinvestitionen reduzieren,
  • Wechselkurse beeinflussen,
  • internationale Unternehmen zurückhaltender werden lassen.

Was bedeutet die Entwicklung für deutsche Unternehmer und Investoren?

Das starke Wirtschaftswachstum schafft ein grundsätzlich attraktives Umfeld.

Es sollte jedoch nicht als pauschales Kaufsignal verstanden werden.

2026 ist vor allem ein Markt für selektive, zielgruppenorientierte und professionell kalkulierte Investitionen.

Einnahmen müssen vor Wertsteigerung stehen

Ein solides Investment sollte bereits auf Basis realistischer Mieteinnahmen tragfähig sein.

Eine mögliche spätere Wertsteigerung ist ein zusätzlicher Vorteil, darf aber kein notwendiger Bestandteil der Kalkulation sein.

Die Immobilie muss zum Wachstumstreiber passen

Eine gute Investition verbindet einen konkreten Wirtschaftssektor mit einem passenden Standort und einer nachweisbaren Zielgruppe.

Beispiele:

  • Technologie und Finanzen: städtische Mietwohnungen und flexible Büros in Tiflis,
  • Transport und Handel: Lager- und Gewerbeflächen an funktionierenden Verkehrsachsen,
  • Hochschulen und internationale Studierende: möblierte Wohnungen in Universitätsnähe,
  • Tourismus: professionell betriebene Objekte mit belastbaren Auslastungsdaten,
  • Gesundheitswirtschaft: Praxisflächen oder Wohnungen für medizinisches Personal.

Währungsrisiken müssen vor dem Kauf kalkuliert werden

Kaufpreis, Finanzierung, Mieteinnahmen und spätere Rückführung des Kapitals sollten in einer gemeinsamen Währungsrechnung betrachtet werden.

Besonders wichtig ist die Frage, in welcher Währung die Verbindlichkeiten bedient werden müssen.

Stressszenarien gehören in jede Kalkulation

Eine belastbare Investitionsrechnung sollte nicht nur den erwarteten Normalfall darstellen.

Sie sollte auch zeigen, wie sich das Ergebnis entwickelt, wenn:

  • die Vermietung später beginnt,
  • die Auslastung niedriger ausfällt,
  • Betriebskosten steigen,
  • der Lari an Wert verliert,
  • die Finanzierung teurer wird,
  • der Wiederverkauf länger dauert,
  • Renovierungs- oder Möblierungskosten höher ausfallen.

Rechtliche und technische Prüfung bleiben unverzichtbar

Starkes Wirtschaftswachstum schützt nicht vor:

  • fehlerhaften Grundbucheinträgen,
  • unklaren Grundstücksgrenzen,
  • Baumängeln,
  • nicht eingehaltenen Fertigstellungsterminen,
  • ungeklärten Nutzungsrechten,
  • schwachen Betreiberverträgen.

Vor dem Kauf sollten insbesondere geprüft werden:

  • Eigentumsverhältnisse und Belastungen,
  • Katasterunterlagen und Flächengrößen,
  • Baugenehmigungen,
  • zulässige Nutzungsart,
  • Medienanschlüsse,
  • Bauqualität,
  • Übergabe- und Fertigstellungstermine,
  • Vertragsstrafen,
  • Verwaltungs- und Betreiberverträge,
  • steuerliche Behandlung.

Drei mögliche Szenarien für den Immobilienmarkt Georgien

Szenario Wirtschaftliche Entwicklung Mögliche Immobilienwirkung
Basisszenario Wachstum normalisiert sich in Richtung der IWF-Prognose, Inflation bleibt zunächst erhöht Selektives Miet- und Preiswachstum an wirtschaftlich starken Standorten
Positives Szenario Starke Dienstleistungsexporte, höhere Direktinvestitionen, gute Tourismussaison und stabile Energiepreise Höhere Nachfrage nach Wohn-, Gewerbe- und Tourismusimmobilien
Belastungsszenario Externe Konflikte, höhere Energiepreise, schwächerer Tourismus oder ungünstige Währungsentwicklung Kostendruck, niedrigere Auslastung und längere Verkaufszeiten

Das Basisszenario spricht nicht für einen flächendeckenden Immobilienboom, aber für ein grundsätzlich konstruktives Marktumfeld.

Besonders aussichtsreich sind Objekte, bei denen eine klare wirtschaftliche Nachfrage auf ein begrenztes, qualitativ gutes Angebot trifft.

Starkes Wachstum, aber kein Freibrief für Immobilienkäufe

Georgiens Wirtschaft ist mit einem realen Wachstum von 9 Prozent im ersten Quartal 2026 ausgesprochen dynamisch in das Jahr gestartet.

Die Kombination aus:

  • wachsenden Dienstleistungsexporten,
  • höheren ausländischen Direktinvestitionen,
  • gestärkten Währungsreserven,
  • moderaten Staatsschulden,
  • einem grundsätzlich stabilen Bankensystem

spricht für die Widerstandsfähigkeit des Landes.

Gleichzeitig bleibt das Umfeld anspruchsvoll.

Die Inflation liegt über dem Zielwert, die Geldpolitik bleibt restriktiv, Kredite wachsen schnell und externe geopolitische Entwicklungen können Tourismus, Energiepreise, Währung und Investorenvertrauen beeinflussen.

Für Immobilieninvestoren lautet die zentrale Schlussfolgerung daher:

Das starke Wirtschaftswachstum verbessert die Rahmenbedingungen, ersetzt aber keine Objekt-, Standort- und Zielgruppenanalyse.

Die besten Chancen entstehen dort, wo wachsende Branchen eine dauerhafte Nachfrage nach konkreten Flächen erzeugen.

Das betrifft insbesondere:

  • ausgewählte Wohnlagen in Tiflis,
  • professionell geplante Logistikflächen,
  • zielgruppenorientierte Mietwohnungen,
  • Immobilien für internationale Fachkräfte und Studierende,
  • nachweislich tragfähige Tourismuskonzepte.

Für Investitionen in Georgien gelten 2026 drei zentrale Grundsätze:

Cashflow vor Spekulation. Mikrolage vor Makro-Schlagzeile. Qualität vor Geschwindigkeit.

Häufig gestellte Fragen zur Wirtschaft Georgiens 2026

Wie stark wächst Georgiens Wirtschaft 2026?

Im ersten Quartal 2026 wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Für Januar bis Mai lag das durchschnittliche Wachstum bei 7,8 Prozent. Der Internationale Währungsfonds erwartet für das Gesamtjahr ein Wachstum von 6,5 Prozent.

Warum erwartet der IWF nur 6,5 Prozent, obwohl das erste Quartal 9 Prozent erreichte?

Quartalswachstum und Jahreswachstum sind unterschiedliche Kennzahlen. Nach dem besonders starken Jahresauftakt verlangsamte sich das Wachstum im April und Mai. Der IWF rechnet deshalb mit einer Normalisierung im weiteren Jahresverlauf.

Welche Branchen treiben das Wirtschaftswachstum Georgiens?

Die stärksten Wachstumsraten verzeichneten im ersten Quartal Information und Kommunikation, Transport und Lagerung, Unterhaltung, Gesundheitsleistungen, Beherbergung und Gastronomie sowie Finanzdienstleistungen. Die Bauwirtschaft und Landwirtschaft entwickelten sich dagegen schwächer.

Ist 2026 ein guter Zeitpunkt, um in Georgien zu investieren?

Das wirtschaftliche Umfeld ist grundsätzlich positiv. Eine Investition sollte jedoch nur erfolgen, wenn Standort, Objektqualität, Zielgruppe, Kaufpreis, Verwaltung und Währungsrisiken belastbar geprüft wurden. Das Wachstum allein ist kein ausreichender Kaufgrund.

Welche Immobilien können besonders profitieren?

Potenzial besteht insbesondere bei zielgruppenorientierten Mietwohnungen in Tiflis, flexiblen Büroflächen, Logistikimmobilien mit konkreten Nutzern sowie professionell betriebenen Tourismusobjekten.

Wie hoch ist die Inflation in Georgien 2026?

Die jährliche Inflationsrate lag im Juni 2026 bei 5,8 Prozent. Besonders stark stiegen Transportkosten sowie Ausgaben für Wohnen, Energie, Restaurants und Hotels. Eine Rückkehr zum Inflationsziel wird erst im Verlauf des Jahres 2027 erwartet.

Wie entwickeln sich die ausländischen Direktinvestitionen?

Im ersten Quartal 2026 erreichten die ausländischen Direktinvestitionen 271,2 Millionen US-Dollar. Das waren 47,7 Prozent mehr als im vorläufigen Vergleichsquartal 2025. Mehr als die Hälfte bestand aus reinvestierten Gewinnen bestehender Unternehmen.

Steigen Immobilienpreise automatisch mit dem Bruttoinlandsprodukt?

Nein. Wirtschaftswachstum, Immobilienpreise und Mieten werden von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören Angebot, Finanzierungskosten, Einkommen, Mikrolage, Neubautätigkeit und die tatsächliche Nachfrage.

Ist das georgische Bankensystem stabil?

Das Bankensystem gilt grundsätzlich als solide und verfügt über gesunde Kapital- und Liquiditätskennzahlen. Das schnelle Kreditwachstum und bestehende Fremdwährungsrisiken müssen jedoch weiterhin beobachtet werden.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. National Statistics Office of Georgia – Bruttoinlandsprodukt Georgiens im ersten Quartal 2026
    https://www.geostat.ge/media/80191/Gross-Domestic-Product-of-Georgia—I-Quarter%2C-2026.pdf
  2. National Statistics Office of Georgia – Schnellschätzung des Wirtschaftswachstums bis Mai 2026
    https://www.geostat.ge/media/80914/Rapid-Estimates-of-Economic-Growth%2C-May-2026.pdf
  3. Internationaler Währungsfonds – Article-IV-Konsultation Georgien 2026
    https://www.imf.org/en/news/articles/2026/06/10/pr-26197-georgia-imf-executive-board-concludes-2026-article-iv-consultation
  4. Internationaler Währungsfonds – Abschließende Erklärung der IWF-Mission zu Georgien 2026
    https://www.imf.org/en/news/articles/2026/04/07/cs-04072026-georgia-staff-cs-2026-aiv
  5. National Statistics Office of Georgia – Ausländische Direktinvestitionen im ersten Quartal 2026
    https://www.geostat.ge/media/79831/Foreign-Direct-Investments—Q1-2026.pdf
  6. Nationalbank Georgiens – Zahlungsbilanz Georgiens im ersten Quartal 2026
    https://nbg.gov.ge/en/media/news/balance-of-payments-of-georgia-i-quarter-2026
  7. Nationalbank Georgiens – Internationale Währungsreserven im Mai 2026
    https://nbg.gov.ge/en/media/news/georgia-s-gross-international-reserves-increased-to-usd-7-0-billion-as-of-may-2026
  8. Nationalbank Georgiens – Geldpolitische Entscheidung und Leitzins 2026
    https://nbg.gov.ge/en/media/news/the-national-bank-of-georgia-decided-to-keep-the-monetary-policy-rate-unchanged-at-8-25-pe
  9. Nationalbank Georgiens – Finanzstabilität und Entwicklung des Kreditmarktes
    https://nbg.gov.ge/en/media/news/financial-stability-and-monetary-policy-committees-decisi-3
  10. National Statistics Office of Georgia – Verbraucherpreisinflation im Juni 2026
    https://www.geostat.ge/media/80955/Inflation-Rate-in-Georgia%2C-June-2026.pdf
  11. National Statistics Office of Georgia – Baukostenindex im Mai 2026
    https://geostat.ge/media/80981/Construction-Cost-Index-in-Georgia—May-2026.pdf
  12. Aktuelle Zahlen zum Preisindex neuer Wohnimmobilien in Tiflis im zweiten Quartal 2026
    https://1tv.ge/lang/en/news/geostat-tbilisi-residential-property-prices-rise-4-9-year-on-tear-in-q2-2026/