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Baukosten Georgien 2026

9. September 2026 / Georgien Immobilien

Baukosten Georgien Juli 2026: +4,3 % – warum Wohnbau und Gewerbebau völlig unterschiedlich laufen

Datenstand: 9. September 2026

Georgiens Baukosten sind im Juli 2026 erneut gestiegen. Nach den neuesten Zahlen des georgischen Statistikamtes Geostat erhöhte sich der landesweite Construction Cost Index gegenüber Juni um 0,8 Prozent. Im Vergleich zu Juli 2025 lag der Index 4,3 Prozent höher.

Diese Gesamtzahl erzählt jedoch nur einen Teil der Geschichte.

Während sich der Kostenindex für den Wohnungsbau innerhalb eines Jahres lediglich um 0,5 Prozent erhöhte, verteuerte sich der Nichtwohnungsbau um 8,2 Prozent. Beim Tief- und Infrastrukturbau betrug der Anstieg 6,4 Prozent.

Für Immobilieninvestoren ist diese Differenz wesentlich wichtiger als die allgemeine Schlagzeile.

Die Baukosten in Georgien steigen nicht überall um 4,3 Prozent. Wohnbau, Gewerbeprojekte und Infrastruktur entwickeln sich derzeit vollkommen unterschiedlich.

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Baukosten Georgien 2026: die Juli-Zahlen im Überblick

Segment Gegenüber Juni 2026 Gegenüber Juli 2025
Gesamter Construction Cost Index +0,8 % +4,3 %
Wohnungsbau −1,3 % +0,5 %
Nichtwohnungsbau +5,1 % +8,2 %
Tief- und Infrastrukturbau +1,0 % +6,4 %

Gegenüber Februar 2022 liegt der gesamte georgische Baukostenindex inzwischen 30,3 Prozent höher.

Damit bleiben Bauleistungen langfristig deutlich teurer als vor rund viereinhalb Jahren. Die aktuelle Jahresrate zeigt jedoch, dass sich die Kostenentwicklung inzwischen stark nach Projektarten aufteilt.

Wichtig ist außerdem die offizielle Bezeichnung: Geostat spricht von Non-Residential Buildings, also Nichtwohngebäuden. Diese Kategorie ist weiter gefasst als der deutsche Begriff Gewerbebau und kann beispielsweise Hotels, Bürogebäude, Handelsimmobilien, Industriegebäude, Lagerhallen und andere nicht zu Wohnzwecken errichtete Gebäude umfassen.

Baukosten Georgien 2026 Infografik

Baukosten Georgien 2026 Infografik

Warum die Schlagzeile „Baukosten steigen um 4,3 Prozent“ täuscht

Der Construction Cost Index ist ein gewichteter Index. Die Veränderungen der einzelnen Materialien, Dienstleistungen und Gebäudesegmente fließen entsprechend ihrer wirtschaftlichen Bedeutung in den Gesamtwert ein.

Die veröffentlichten 4,3 Prozent sind daher weder ein einfacher Durchschnitt der drei Gebäudekategorien noch ein pauschaler Aufschlag, der auf jedes Bauprojekt übertragen werden kann.

Wer für ein Apartmentprojekt einfach vier Prozent mehr veranschlagt, könnte die aktuelle Entwicklung des Wohnungsbaus überschätzen. Wer dieselbe Rate für ein Hotel, eine Lagerhalle oder ein Bürogebäude verwendet, könnte den tatsächlichen Kostendruck dagegen erheblich unterschätzen.

Auch die Monatswerte zeigen, wie stark die Segmente auseinanderlaufen:

  • Der Wohnungsbau verbilligte sich gegenüber Juni um 1,3 Prozent.
  • Der Nichtwohnungsbau verteuerte sich innerhalb nur eines Monats um 5,1 Prozent.
  • Der Tief- und Infrastrukturbau stieg um 1,0 Prozent.

Ein gemeinsamer Gesamtwert kann diese Unterschiede nicht ausreichend abbilden.

Was misst der georgische Construction Cost Index?

Der Construction Cost Index misst die durchschnittliche Preisentwicklung von Baumaterialien und Bauleistungen, die für Wohngebäude, Nichtwohngebäude und Tief- beziehungsweise Infrastrukturbauten eingesetzt werden.

Geostat berücksichtigt dabei fünf übergeordnete Kostenkategorien:

Im Baukostenindex erfasste Kategorie Typische Bedeutung
Baumaterialien Baustoffe und vergleichbare materielle Bauinputs
Löhne Arbeitskosten im Baugewerbe
Maschinen Einsatz beziehungsweise Bereitstellung von Baumaschinen
Transport, Kraftstoffe und Elektrizität Logistik-, Energie- und Kraftstoffkosten
Sonstige Kosten weitere von der Statistik erfasste Bauinputs

Für die Berechnung werden vergleichbare Materialien und Dienstleistungen mit möglichst gleichbleibenden Eigenschaften beobachtet. Der Index soll also reine Preisveränderungen erfassen und nicht lediglich höhere Kosten aufgrund einer besseren Ausstattung, veränderter Qualität oder eines größeren Projektumfangs.

Die Gewichte der einzelnen Materialien und Leistungen orientieren sich an ihrem Anteil an den gesamten Bauausgaben des jeweiligen Segments. Der Gesamtindex wird wiederum aus den gewichteten Indizes für Wohnungsbau, Nichtwohnungsbau und Civil Engineering gebildet.

Der Index liefert keine Baukosten pro Quadratmeter

Wer nach Baupreisen in Tiflis, Neubaukosten in Georgien oder Baukosten in Batumi sucht, darf den Construction Cost Index nicht mit einer örtlichen Quadratmeterpreisliste verwechseln.

Der Index sagt nicht:

  • wie viel ein schlüsselfertiges Wohnhaus pro Quadratmeter kostet,
  • wie hoch die Baukosten eines Hotels in Tiflis ausfallen,
  • was eine Lagerhalle in Poti kostet,
  • oder zu welchem Preis ein Entwickler eine Neubauwohnung verkaufen kann.

Geostat erhebt Preise bei Unternehmen in verschiedenen Regionen Georgiens. Das Ergebnis ist ein landesweiter Veränderungsindex und keine nach Städten, Qualitätsklassen oder konkreten Gebäudetypen aufgeschlüsselte Kalkulation.

Ein Projekt in Tiflis kann aufgrund von Grundstück, Zufahrt, Baustellenlogistik, Arbeitskräfteverfügbarkeit und technischer Ausstattung eine andere Kostenstruktur besitzen als ein vergleichbares Gebäude in Batumi, Kutaisi oder einer ländlichen Region.

Zusätzliche Kosten und Risiken aus Grundstückskategorie, Bebauungsparametern, Genehmigungen, Statik und technischen Anschlüssen werden in unserem Ratgeber über Baugenehmigungen und Bürokratie beim Hausbau in Georgien ausführlich behandelt.

Der Baukostenindex ist kein Immobilienpreisindex

Ein Anstieg der Baukosten um 0,5 Prozent im Wohnungsbau bedeutet nicht, dass Neubauwohnungen ebenfalls nur 0,5 Prozent teurer werden dürften.

Der Verkaufspreis einer Neubauimmobilie wird von deutlich mehr Faktoren beeinflusst:

Grundstück + Planung + Baukosten + Finanzierung + Genehmigungen + Steuern und Gebühren + Marketing + Vertrieb + Entwicklermarge + Nachfrage + Lage

Der Construction Cost Index misst vor allem die Entwicklung bestimmter Inputs aus Sicht der Bauwirtschaft. Er misst nicht den Preis, den ein Käufer am Ende für ein Apartment bezahlt.

Insbesondere folgende Faktoren lassen sich aus dem Index nicht ablesen:

Nicht aus dem Baukostenindex ablesbar Warum es für den Verkaufspreis wichtig ist
Grundstückspreis kann in zentralen Lagen einen erheblichen Projektanteil ausmachen
Finanzierungskosten beeinflussen Kapitalbindung und Entwicklermarge
Nachfrage entscheidet über durchsetzbare Verkaufspreise
Entwickler- und Betreibermarge kann je nach Projekt stark schwanken
Marketing und Vertrieb bei international vermarkteten Projekten teilweise erheblich
Lage und Aussicht können Verkaufspreise unabhängig von den Baukosten verändern
Zahlungsplan beeinflusst Finanzierungsbedarf und Risikoverteilung
Ausstattung und Projektqualität verändert die tatsächlichen Kosten eines konkreten Gebäudes

Auch die allgemeine Verbraucherpreisinflation ist nicht mit der Entwicklung der Baukosten gleichzusetzen. Die Unterschiede zwischen Verbraucherpreisen, Wohnkosten und Immobilienmarkt erläutert unser Beitrag zur Inflation in Georgien im August 2026.

Die beiden wichtigsten Kostentreiber

Geostat nennt für den Jahresvergleich zwei besonders bedeutende Kostenfaktoren.

Transport, Kraftstoffe und Elektrizität: +15,2 Prozent

Die zusammengefasste Kategorie Transport, Kraftstoffe und Elektrizität verteuerte sich gegenüber Juli 2025 um 15,2 Prozent.

Sie trug rund 1,81 Prozentpunkte zum gesamten Anstieg des Baukostenindex von 4,3 Prozent bei.

Wichtig ist die genaue Formulierung: Die 15,2 Prozent beziehen sich auf die kombinierte statistische Kategorie. Daraus folgt nicht, dass Kraftstoffe, Strom und jede einzelne Transportleistung jeweils exakt um 15,2 Prozent teurer geworden sind.

Für Bauunternehmen kann diese Kategorie dennoch an vielen Stellen wirken:

  • Anlieferung von Baumaterialien,
  • Betrieb von Baumaschinen,
  • Erd- und Aushubarbeiten,
  • Beton- und Asphaltlogistik,
  • Transporte zwischen Hafen, Lager und Baustelle,
  • Baustrom,
  • Pumpen, Kräne und Hebetechnik,
  • Fahrten von Beschäftigten und Subunternehmen.

Besonders empfindlich reagieren Projekte mit großen Materialmengen, schweren Bauteilen, umfangreichen Erdbewegungen oder langen Transportwegen.

Durchschnittliche Baulöhne: +3,6 Prozent

Die durchschnittlichen nominalen Löhne im georgischen Bausektor lagen im Juli 3,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Der rechnerische Beitrag zum gesamten Jahresanstieg betrug 1,43 Prozentpunkte.

Transport, Kraftstoffe und Elektrizität sowie die Baulöhne erklären damit zusammen rund 3,24 Prozentpunkte des Gesamtanstiegs von 4,3 Prozent. Das entspricht ungefähr drei Vierteln der gesamten Jahresveränderung.

Im Monatsvergleich war die Lohnentwicklung noch auffälliger. Gegenüber Juni erhöhten sich die durchschnittlichen nominalen Löhne der Beschäftigten im Baugewerbe um 6,4 Prozent. Allein diese Veränderung trug rechnerisch 1,12 Prozentpunkte zur monatlichen Indexentwicklung bei.

Da der gesamte Index gegenüber Juni lediglich um 0,8 Prozent stieg, müssen andere Kostenkomponenten die starke monatliche Lohnwirkung teilweise ausgeglichen haben.

Baukosten Georgien 2026

Baukosten Georgien 2026

Steigende Kraftstoffpreise verschärfen den Transportkostendruck

Die offiziellen Indexzahlen passen zu aktuellen Aussagen aus der georgischen Kraftstoffbranche.

Der Generaldirektor des Mineralölunternehmens Wissol, Vasil Khorava, erklärte Anfang September, der internationale Platts-Referenzwert für Benzin sei innerhalb von ungefähr eineinhalb Monaten um rund 250 US-Dollar beziehungsweise fast 25 Prozent gestiegen.

Nach seiner Darstellung lag der Benzinindikator zuletzt bei nahezu 1.250 US-Dollar je Tonne und damit auf einem Jahreshöchststand. Zusätzlich seien Raffinerieaufschläge und Logistikkosten gestiegen.

Diese Angaben sind eine Aussage eines Marktteilnehmers und keine offizielle Geostat-Statistik. Sie erklären aber plausibel, warum Transport- und Kraftstoffkosten derzeit zusätzlichen Druck auf Bauprojekte ausüben können.

Khorava bezeichnete Georgiens Kraftstoffmarkt als vollständig importabhängig. Die Internationale Energieagentur formuliert etwas vorsichtiger: Georgien verfügt zwar über eine begrenzte eigene Rohölförderung, ist bei Ölprodukten und Erdgas jedoch nahezu vollständig auf Importe angewiesen.

Dadurch können internationale Preisbewegungen, Raffinerieengpässe, Lieferantenwechsel und höhere regionale Logistikkosten vergleichsweise schnell auf den georgischen Markt durchschlagen.

Warum steigt der Nichtwohnungsbau um 8,2 Prozent?

Die öffentliche Juli-Mitteilung von Geostat nennt die wichtigsten Treiber des gesamten Baukostenindex. Sie enthält jedoch keine vollständige Kostenzerlegung, mit der sich die 8,2 Prozent im Nichtwohnungsbau ausschließlich bestimmten Materialien, Löhnen oder Energiearten zuordnen ließen.

Es wäre daher nicht korrekt, den gesamten Anstieg allein mit höheren Kraftstoffpreisen zu erklären.

Die stärkere Kostenentwicklung technisch anspruchsvoller Nichtwohngebäude ist dennoch wirtschaftlich nachvollziehbar. Hotels, Bürogebäude, Einkaufszentren, Industriehallen und Spezialimmobilien benötigen häufig wesentlich umfangreichere technische Anlagen als ein klassisches Wohngebäude.

Dazu können gehören:

  • leistungsfähige Klima- und Lüftungsanlagen,
  • Aufzüge und Fördertechnik,
  • professionelle Brandschutzsysteme,
  • Notstromversorgung,
  • Transformatoren und Mittelspannungsanschlüsse,
  • Großküchen und Wäschereitechnik,
  • Gebäudeleittechnik,
  • Sicherheits- und Zutrittssysteme,
  • spezielle Fassaden,
  • größere Park- und Außenanlagen,
  • importierte technische Komponenten.

Bei Hotelprojekten kommen außerdem Zimmertechnik, Gastronomieflächen, Wellnessbereiche, Konferenztechnik und eine deutlich komplexere betriebliche Infrastruktur hinzu. Wie wichtig eine belastbare Projekt- und Nachfrageanalyse ist, zeigt unser Überblick zum Hotelmarkt Georgien 2026.

Ein aktuelles Beispiel für die Größenordnung eines technisch und finanziell anspruchsvollen Vorhabens ist das geplante Hotelprojekt an der Rustaveli Avenue 12 in Tiflis.

Gerade bei solchen Großprojekten darf eine ältere Kostenschätzung aus den Jahren 2024 oder 2025 nicht einfach mit dem allgemeinen Gesamtindex fortgeschrieben werden.

Warum steigen Tief- und Infrastrukturkosten um 6,4 Prozent?

Tief- und Infrastrukturprojekte sind häufig besonders transport-, maschinen- und kraftstoffintensiv.

Typische Kostenblöcke sind:

  • Erdarbeiten,
  • Straßenbau,
  • Asphalt- und Betontransporte,
  • Brücken- und Ingenieurbau,
  • Kanal- und Leitungsbau,
  • Entwässerungsanlagen,
  • großflächige Bodenverbesserungen,
  • schwere Baumaschinen,
  • Baustellenlogistik über längere Strecken.

Damit sind solche Projekte stärker von Dieselpreisen, Maschinenkosten, Transportentfernungen und Materiallogistik abhängig.

Die Entwicklung ist auch für Gewerbe- und Logistikimmobilien relevant. Eine Lagerhalle benötigt nicht nur ein Gebäude. Je nach Grundstück können Zufahrten, Rangierflächen, Entwässerung, Bodenverbesserung, Trafostationen, Leitungen und befestigte Außenflächen einen erheblichen Anteil der Gesamtinvestition ausmachen.

Das gilt insbesondere an Hafen- und Industriestandorten. Weitere Standort- und Kostenfaktoren behandeln wir in unserer Analyse zu Poti Hafen 2026 und den Chancen für Logistikimmobilien.

Warum liegt der Wohnungsbau nur 0,5 Prozent höher?

Im Wohnungsbau lag der Index im Juli lediglich 0,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Gegenüber Juni sank er sogar um 1,3 Prozent.

Das bedeutet zunächst nur, dass sich der gewichtete Preis der von Geostat beobachteten Bauinputs für Wohngebäude innerhalb eines Jahres vergleichsweise wenig verändert hat.

Es bedeutet nicht:

  • dass jedes Apartmentprojekt nur 0,5 Prozent teurer geworden ist,
  • dass Grundstücke nur geringfügig im Preis gestiegen sind,
  • dass Entwickler ihre Verkaufspreise nicht erhöhen können,
  • dass Bauunternehmen überall dieselben Preise verlangen,
  • oder dass sich eine Wohnung in Tiflis und Batumi gleich entwickelt.

Ein konkretes Wohnprojekt kann deutlich von der Statistik abweichen. Entscheidend sind unter anderem:

  • Bauqualität und Ausstattung,
  • Anteil importierter Materialien,
  • Wechselkurs zum US-Dollar oder Euro,
  • Zahl und Preis der Aufzüge,
  • Fassade und Fensterqualität,
  • Tiefgarage und Fundamentierung,
  • Hanglage oder problematischer Baugrund,
  • technische Anschlüsse,
  • Entfernung zu Lieferanten,
  • Größe und Verhandlungsmacht des Entwicklers,
  • Bauzeit und Zahlungsbedingungen.

Der niedrige Jahreswert ist deshalb ein gesamtwirtschaftlicher Orientierungspunkt, aber keine fertige Projektkalkulation.

Alte Baukostenschätzungen aus 2024 und 2025 neu prüfen

Für ein gewöhnliches Wohnprojekt erscheint die aktuelle Kostenentwicklung auf Indexebene vergleichsweise moderat. Bei Hotels, Gewerbegebäuden, Logistikimmobilien, Datacentern und Infrastrukturprojekten ist die Lage deutlich anspruchsvoller.

Investoren sollten ältere Kalkulationen deshalb nicht nur um einen pauschalen Prozentsatz erhöhen. Notwendig ist eine Aktualisierung auf Ebene der einzelnen Gewerke.

Prüfpunkt Zentrale Frage
Bezugsdatum Aus welchem Monat und Jahr stammt die ursprüngliche Kalkulation?
Gebäudekategorie Handelt es sich um Wohnungsbau, Nichtwohnungsbau oder Infrastruktur?
Leistungsverzeichnis Sind Mengen, Qualitätsstufen und technische Anforderungen noch aktuell?
Lieferantenangebote Liegen verbindliche oder nur unverbindliche Preise vor?
Importanteil Welche Bauteile und Anlagen müssen importiert werden?
Wechselkurs In welcher Währung werden Materialien, Technik und Bauleistungen bezahlt?
Transport Wie weit liegen Hafen, Lager, Betonwerk und Baustelle auseinander?
Energie Welche Anschlussleistung, Trafostation oder Notstromversorgung wird benötigt?
Löhne Sind ausreichende Fachkräfte zu den kalkulierten Preisen verfügbar?
Genehmigungen Sind alle Planungs-, Prüf- und Anschlusskosten berücksichtigt?
Bauzeit Wie lange bleibt Kapital gebunden und welche Verzögerungen sind möglich?
Reserve Ist eine zum Planungsstand passende Kostenreserve vorhanden?

Keine pauschale Kostenreserve für jedes Projekt

Eine pauschale Aussage wie „zehn Prozent Reserve reichen immer“ wäre ebenso ungenau wie die Übertragung des Gesamtindex von 4,3 Prozent auf jedes Gebäude.

Die notwendige Reserve hängt unter anderem davon ab, ob:

  • das Grundstück bereits vollständig untersucht wurde,
  • eine genehmigungsfähige Planung vorliegt,
  • die Statik abgeschlossen ist,
  • verbindliche Angebote vorhanden sind,
  • technische Anschlüsse schriftlich bestätigt wurden,
  • importierte Anlagen bestellt wurden,
  • der Bauvertrag Festpreise oder Preisgleitklauseln enthält,
  • und wie weit das Projekt bereits entwickelt ist.

Ein baureifes Projekt mit detailliertem Leistungsverzeichnis und belastbaren Festpreisangeboten benötigt eine andere Risikoreserve als ein Grundstück, für das bislang nur eine grobe Konzeptplanung existiert.

Was bedeuten die Zahlen für verschiedene Investitionsarten?

Wohnungsbau und Apartmentprojekte

Der Jahresanstieg von 0,5 Prozent spricht derzeit gegen die pauschale Behauptung, dass sich der reine Wohnungsbau in Georgien flächendeckend massiv verteuert habe.

Trotzdem müssen Käufer prüfen, ob der Bauträger Änderungen bei Ausstattung, Zahlungsplan oder Verkaufspreis mit realen Baukosten begründet oder lediglich seine Marge erhöhen möchte.

Hotels und Bürogebäude

Der Anstieg des Nichtwohnungsbaus um 8,2 Prozent ist ein deutliches Warnsignal für ältere Projektbudgets. Besonders kritisch sind technische Gebäudeausrüstung, Brandschutz, Aufzüge, Klimatisierung, Fassaden und importierte Komponenten.

Lagerhallen und Logistikzentren

Neben den Hallenkosten müssen Boden, Zufahrt, Rangierflächen, Brandschutz, Entwässerung, Anschlussleistung und mögliche Transformatoren berücksichtigt werden. Bei schweren Nutzungen können Tiefbau und Außenanlagen einen beträchtlichen Teil des Budgets beanspruchen.

Datacenter

Bei einem Datacenter entsteht der Wert nicht allein durch die Gebäudehülle. Maßgeblich sind Stromleistung, redundante Energieversorgung, Kühlung, Glasfaser, Brandschutz, Sicherheit und Notstromtechnik.

Ein niedriger Grundstückspreis kann bedeutungslos sein, wenn die notwendige Anschlussleistung nicht rechtzeitig oder nur mit hohen Zusatzinvestitionen bereitgestellt werden kann.

Infrastrukturprojekte

Straßen, Leitungen, Häfen und andere Civil-Engineering-Projekte reagieren besonders empfindlich auf Kraftstoffe, schwere Maschinen, Transportentfernungen, Erdarbeiten und Materiallogistik. Der Jahresanstieg von 6,4 Prozent sollte deshalb bereits in frühen Projektphasen berücksichtigt werden.

Investment: Segment statt Schlagzeile analysieren

Georgiens Baukostenindex lag im Juli 2026 insgesamt 4,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Diese Zahl darf jedoch nicht pauschal auf alle Bauvorhaben übertragen werden.

Die entscheidenden Werte lauten:

  • Wohnungsbau: +0,5 Prozent
  • Nichtwohnungsbau: +8,2 Prozent
  • Tief- und Infrastrukturbau: +6,4 Prozent
  • Transport, Kraftstoffe und Elektrizität: +15,2 Prozent
  • durchschnittliche nominale Baulöhne: +3,6 Prozent

Für klassische Wohnentwicklungen ist die reine Indexentwicklung derzeit deutlich moderater als für Hotels, Bürogebäude, Lagerhallen, Datacenter und Infrastrukturprojekte.

Gerade bei Nichtwohngebäuden sollten Kalkulationen aus 2024 oder 2025 vollständig aktualisiert werden. Ein einfacher Aufschlag von 4,3 Prozent reicht dafür nicht aus.

Entscheidend ist immer die konkrete Kostenstruktur des einzelnen Projekts:

Grundstück, Baugrund, Nutzung, Technik, Energie, Logistik, Importanteil, Finanzierung, Genehmigung und Bauvertrag.

Vor dem Erwerb eines Entwicklungsgrundstücks oder einer komplexen Gewerbeimmobilie sollte deshalb nicht nur der Kaufpreis, sondern das gesamte Projekt wirtschaftlich, technisch und rechtlich geprüft werden. Eine individuelle Einordnung ist über unsere Immobilienberatung für Georgien möglich.

Häufige Fragen zu den Baukosten in Georgien

Wie stark sind die Baukosten in Georgien im Juli 2026 gestiegen?

Der gesamte Construction Cost Index stieg gegenüber Juni 2026 um 0,8 Prozent und gegenüber Juli 2025 um 4,3 Prozent. Die Entwicklung unterscheidet sich jedoch erheblich zwischen Wohnungsbau, Nichtwohnungsbau und Infrastruktur.

Warum stieg der Wohnungsbau nur um 0,5 Prozent?

Die 0,5 Prozent beziehen sich auf die durchschnittliche jährliche Preisveränderung des gewichteten Waren- und Leistungskorbs für Wohngebäude. Einzelne Kostenkomponenten können gestiegen sein, während andere zurückgingen oder den Anstieg ausglichen. Der Wert ist keine Aussage über den Verkaufspreis einer Wohnung.

Warum verteuerte sich der Nichtwohnungsbau um 8,2 Prozent?

Geostat veröffentlicht in der Juli-Mitteilung keine vollständige Aufschlüsselung der Ursachen für dieses einzelne Segment. Der starke Anstieg fällt jedoch in eine Phase deutlich höherer Transport-, Kraftstoff-, Energie- und Lohnkosten. Technisch anspruchsvolle Gebäude besitzen zudem häufig einen hohen Anteil an Gebäudetechnik, Spezialanlagen und importierten Komponenten.

Sind Grundstückspreise im Baukostenindex enthalten?

Nein. Der Construction Cost Index beobachtet die Preisentwicklung von Baumaterialien und Bauleistungen. Grundstückskäufe gehören nicht zu den erfassten Bauinputs. Der Grundstückspreis muss in einer Projektkalkulation separat berücksichtigt werden.

Sind Finanzierungskosten im Index enthalten?

Finanzierungskosten werden nicht als eigene Komponente des Construction Cost Index ausgewiesen. Kreditzinsen, Bereitstellungszinsen, Kapitalbindung und Finanzierungskosten des Entwicklers müssen deshalb außerhalb des Baukostenindex kalkuliert werden.

Bedeutet ein Anstieg des Wohnbauindex um 0,5 Prozent, dass Neubauwohnungen nur 0,5 Prozent teurer werden?

Nein. Verkaufspreise werden zusätzlich von Grundstückskosten, Nachfrage, Lage, Finanzierung, Projektqualität, Marketing, Zahlungsplänen und Entwicklermargen beeinflusst. Baukosten- und Immobilienpreisindex messen unterschiedliche Sachverhalte.

Welche Kosten treiben Hotels und Lagerhallen besonders?

Neben den allgemeinen Kosten für Materialien und Arbeitskräfte sind bei Hotels technische Gebäudeausrüstung, Klimatisierung, Aufzüge, Brandschutz, Küchen- und Betriebstechnik relevant. Bei Lagerhallen spielen Bodenbelastbarkeit, Außenanlagen, Zufahrten, Entwässerung, Brandschutz, Stromleistung und Transportkosten eine besonders große Rolle.

Gelten die Zahlen speziell für Tiflis oder Batumi?

Nein. Der Construction Cost Index ist ein landesweiter Index. Er enthält keine eigenen Quadratmeterpreise für Tiflis, Batumi, Kutaisi, Poti oder andere Städte. Lokale Kosten müssen anhand des konkreten Grundstücks, der Planung und aktueller Angebote ermittelt werden.

Quellen und weiterführende Links

  • Geostat – Construction Cost Index in Georgia, July 2026: Offizielle Veröffentlichung vom 7. September 2026. (Geostat)
  • Geostat – Construction Cost Index, Datenbank und Veröffentlichungen: Offizieller Themenbereich mit den monatlichen Indexdaten.
  • Geostat – Metadaten zum Construction Cost Index: Definition, erfasste Kostenkategorien, landesweite Abdeckung, Gewichtung und Berechnungsmethode.
  • Geostat – Methodik der Preisstatistiken: Offizielle Methodikseite einschließlich des technischen Handbuchs zum Construction Cost Index. (Geostat)
  • 1TV Georgia – Construction Cost Index up 0.8 % in July: Zusammenfassung der Geostat-Zahlen zu Wohnungsbau, Nichtwohnungsbau, Civil Engineering, Löhnen sowie Transport, Kraftstoffen und Elektrizität. (1TV)
  • BM.ge – Wissol zur aktuellen Entwicklung der Kraftstoff- und Logistikkosten: Aussagen zum Platts-Benzinindikator, zu Raffinerieaufschlägen, Logistikkosten und Georgiens Importabhängigkeit. (BM.GE)
  • Internationale Energieagentur – Transport in Georgia: Taking Stock: Einordnung der nahezu vollständigen Abhängigkeit Georgiens von importierten Ölprodukten und Erdgas. (IEA)
  • Eurostat – Construction Producer Price and Construction Cost Indices: Methodische Abgrenzung zwischen Baukostenindex, Baupreisindex und Verkaufspreisen einschließlich Grundstück, Margen und weiterer Projektbestandteile. (ec.europa.eu)